Spezifische Probleme einer IFRS-Bilanzanalyse
An dieser Stelle sollen nicht die zahlreich begründeten, grundsätzlichen Einwände gegen eine externe Bilanzanalyse aufgeführt werden (vgl. Schneider (1997), S. 226). Sie betreffen im Kern die Vergangenheits- und Stichtagsorientierung eines Jahresabschlusses, die zahlreichen Ansatz-, Ausweis- und Bewertungswahlrechte und die Unvollständigkeit und Unvollkommenheit von Informationen im
Jahresabschluss (vgl. Baetge / Kirsch / Thiele (2004), S. 54-76; Gräfer (2001), S. 28-29). Trotz der gravierenden Probleme, die mit einer externen Bilanzanalyse verbunden sind, bleibt sie eine der Grundlagen für eine Unternehmensbeurteilung. Während unternehmensinternen Bilanzanalytikern eine Reihe weiterer Informationsquellen offen stehen und damit die Unzulänglichkeiten des Jahresabschlusses gemildert werden können, bildet für viele Externe der Jahresabschluss die wichtigste, nicht selten die einzige Informationsquelle.
Die bilanzpolitischen Möglichkeiten haben sich mit der Einführung der IFRS nicht vermindert, sondern nur in andere Bereiche verschoben (vgl. Döhle / Papendick (2003), S. 128-136). Wesentliche bilanzpolitische Möglichkeiten bestehen in der Ausnutzung von Bewertungswahlrechten und in den erheblichen Ermessensspielräumen sowohl bei der Feststellung von bestimmten Tatbestandsmerkmalen, wie auch bei den vielfältig notwendigen Zukunftsangaben. Eine differenzierte Betrachtung scheint nötig, um einerseits nicht die Bilanzpolitik der Unternehmen kritiklos zu übernehmen, aber andererseits auch dem Sinn der IFRS gerecht zu werden.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die IFRS-Bilanzanalyse auf dem Grundgedanken basiert, extrapolationsfähige Komponenten als Prognosebasis künftiger Entwicklungen zu gewinnen (vgl. Ballwieser (1987), S. 60-61). Die Bilanz als Rechenschaftsinstrument verlangt aber nach Objektivierung, um sie nicht in das Belieben des Bilanzierenden zu stellen. Objektivierung bedeutet dabei sowohl die Orientierung an Vergangenheitswerten als auch die Normierung bei der Behandlung von Sachverhalten. Beide, Vergangenheitsorientierung und Normierung, stehen einer Prognose entgegen (vgl. Moxter (1976a), S. 255 ff.). Eine solche Prognose verlangt nach Subjektivität und Flexibilität. [...]
Mit freundlicher Genehmigung des Schäffer-Poschel Verlages
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Leseporbe: IFRS_Bilanzanalyse.pdf
Erstellt von Thomas Werner, Thomas Padberg, Thomas Kriete am 14.12.2007
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