Eigenkapitalerhöhung durch BilMoG

RSS



Eigenkapitalerhöhung durch Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens mit dem Beispiel selbst geschaffener Software nach HGB durch Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG).

Die Entwicklungsaufwendungen von Personal- und Sachkosten im eigenen Unternehmen und Aufwendungen durch Unterstützung von freiberuflichen Mitarbeitern für z. B. selbst geschaffene Software dürfen mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz aktiviert werden und erhöhen somit den Gewinn und damit das Eigenkapital im Unternehmen.

Gerade in der Forschungs- und Entwicklungsphase belasten zusätzliche Projektausgaben das Eigenkapital. Mit Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes besteht die Möglichkeit, die Entwicklungsaufwendungen zu aktivieren und damit das Eigenkapital zu erhöhen. Durch die Eigenkapitalerhöhung verbessert sich das Rating des Unternehmens und somit auch die Voraussetzungen für eine Fremkapitalerhöhung durch Kreditaufnahme bei Kreditinstituten.

Am 29. Mai 2009 trat das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) in Kraft. Dieses Gesetz ändert unter anderem das zweite und dritte Buch des Handelsgesetzbuches, §§ 172 bis 342 HGB.

Zielerreichung durch Einführung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes:

Ein wesentliches Ziel ist die Anpassung an die internationale Rechnungslegungsregeln wie IFRS und damit bessere Vergleichbarkeit mit internationalen Jahresabschlüssen.

Mit der Änderung des § 248 Abs. 2 Satz 1 HGB wurde das Aktivierungsverbot für selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens aufgehoben und ein Aktivierungswahlrecht eingeführt. Dieses Wahlrecht darf nicht für selbst geschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände desAnlagevermögens angewendet werden. Hierfür besteht weiterhin ein Aktivierungsverbot. Das steuerliche Ansatzverbot nach § 5 Abs. 2 EStG bleibt jedoch bestehen. (3)

Aktivierungsfähig sind die Entwicklungskosten für zum Beispiel folgende immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens:
  • selbst geschaffene Software,
  • selbst geschaffene Patente,
  • ungeschütztes Know-how und Fertigungsverfahren

EDV-Software gehört seit dem Grundsatzurteil des BFH 3.7.1987 (BStBl II, 728) zu den immateriellen Vermögensgegenständen (so auch Urteil vom gleichen Tag, BStBl II, 787 und BMF 20.1.1992 WPg, 365). Ebenso wie Anwendungssoftware ist auch Systemsoftware ein selbstständiger Vermögensgegenstand. (2) Nach § 255 Abs. 2a dürfen nur die in der Entwicklungsphase anfallenden Herstellungskosten aktiviert werden. (2) Forschungskosten dürfen nicht aktiviert werden.

Welche Unterschiede bestehen nun zwischen Forschungs- und Entwicklungskosten?

Was unter Forschungs- und Entwicklungskosten zu verstehen ist, erläutern die Vorschriften nach HGB (§ 255 Abs. 2a S. 2 und S. 3 HGB). Entwicklung ist die Anwendung von Forschungsergebnissen oder von anderem Wissen für die Neuentwicklung von Gütern oder Verfahren oder die Weiterentwicklung von Gütern oder Verfahren mittels wesentlicher Änderungen (§ 255 Abs. 2a S. 2 HGB).

Forschung ist die eigenständige und planmäßige Suche nach neuen wissenschaftlichen oder technischen Erkenntnissen oder Erfahrungen allgemeiner Art, über deren technische Verwertbarkeit und wirtschaftliche Erfolgsaussichten grundsätzlich keine Aussagen gemacht werden können (§ 255 Abs. 2a S. 3 HGB).

Können Forschung und Entwicklung nicht verlässlich voneinander unterschieden werden, ist eine Aktivierung in vollem Umfang ausgeschlossen (§ 255 Abs 2, S. 4 HGB). Hieraus resultiert, dass bereits in der Forschungsphase die Aufwendungen eindeutig erläutert und gebucht werden müssen.

Mit dem Aktivierungswahlrecht ist die Einführung einer Gewinn-Ausschüttungssperre verbunden (§ 268 Abs. 8 HGB) sowie die Vorschrift Erläuterungen der Forschungs- und Entwicklungskosten im Anhang vorzunehmen (§ 285 Nr. 22 HGB). (3)

Mit Einführung dieser Gesetzesänderungen ist es nun möglich, die Entwicklungskosten für ein neues Softwareprodukt zu aktivieren und damit handelsrechtlich einen Ertrag unter Berücksichtigung der Abschreibung für Abnutzung und Ausweis der passiven latenten Steuern auszuweisen.

Buchungsbeispiel:

Selbstgeschaffene Software an
andere aktivierte Eigenleistungen 100.000,00 EUR

AfA an
Selbst geschaffene Software                20.000,00 EUR

Steuern vom Einkommen und vom Ertrag
(z. B. 30 % von 80.000,00 EUR = 24.000,00 EUR) an
Passive latente Steuern 24.000,00 EUR

Gewinnerhöhung:
    100.000,00 EUR
./.   20.000,00 EUR AfA
=    80.000,00 EUR
./.   24.000,00 EUR Steuern vom Einkommen und Ertrag

=   56.000,00 EUR Gewinnerhöhung/Eigenkapitalerhöhung

In diesem Zusammenhang ist auf die Ausschüttungssperre nach § 268 Abs. 8 HGB hinzuweisen. Der Gewinn i. H. v. 56.000,00 EUR darf nicht ausgeschüttet werden.

Der wesentliche Vorteil selbst geschaffene immaterielle Vermögensgegenstände zu bilanzieren, ist die damit verbundene Gewinn- und Eigenkapitalerhöhung. Insbesondere bei einer geplanten Fremdkapitalerhöhung wirkt sich die EK-Erhöhung positiv bei der Beurteilung des Ratings der Kreditgeber aus.

Zudem beweist das Unternehmen durch den Ausweis der Kostenarten Forschung und Entwicklung eine innovative Unternehmensführung. Ein weiterer Vorteil ist sicherlich die Kostenneutralität für interne Personalkosten und Entwicklungsaufwendungen für Unternehmen. Aufgrund des Stetigkeitsgebots nach § 246 Abs. 3 Satz 1 HGB ist darauf hinzuweisen, dass der bilanzielle Ausweis für gleiche Sachverhalte auch zukünftig gilt.

Bei der Aktivierung selbst geschaffener immaterieller Vermögensgegenstände des Anlagevermögens erhöht sich die Abweichung zwischen Handels- und Steuerbilanz.



Quellen:

(1) Vgl. Haufe BilMoG-Online-Seminar-Immaterielle Vermögensgegenstände Klaus Bertram WP StB CVA, Mitglied im Hauptfachausschuss des IDW
(2) Beck´scher Bilanzkommentar, 7. Auflage, Kozikowski/F. Huber
(3) Vgl. dazu auch Zeitschrift für Bilanzierung, Rechnungswesen und Controlling, Ausgabe 8, 2010, Dr. Patrick Velte und Karsten Sepetauz, StB Dr. Christian Zwirner und WP StB Karl Petersen



Autor:

Wolfgang Neumann
Lehrbeauftragter für Controlling und Corparate Finance an der MEDIADESIGN HOCHSCHULE für Design und Informatik – University of Applied Sciences, Düsseldorf und Lehrkraft der DATEV-Partnerschaft für Bildung. Weiterhin Inhaber von Neumann & Partner INTERNES & EXTERNES RECHNUNGSWESEN in Hagen.

www.neumann-rechnungswesen.de














Erstellt von W.N. am 07.01.2012
Autor(en):  Wolfgang Neumann
Bild:  PantherMedia / Falko Matte

Drucken RSS

Weitere Fachbeiträge zum Thema

Kommentar zum Fachbeitrag abgeben

Ihr Name:
Ihre E-Mail:
Smileys
Lachen  happy77  happy73 
Mr. Green  Skeptisch  Idee 
Frage  Ausrufezeichen  Zwinkern 
Böse  Grinsen  Traurig 
Überrascht  Cool  Kuss 
Verlegen  Weinen  schlafen 
denken  lesen  klatschen 
Schutz vor automatischen Mitteilungen:
Schutz vor automatischen Mitteilungen

Symbole auf dem Bild:

 



Anzeigen

Excel Tool

Schreiben_pm_Elena_Elisseeva.jpg
Anlagenverwaltung in Excel: Das Inventar ist nach Bilanzpositionen untergliedert, Abschreibungen und Rest- Buchwerte ihrer Anlagegüter werden automatisch berechnet. Eine AfA- Tabelle, mit der Sie die Nutzungsdauer ihrer Anlagegüter ermitteln können, ist integriert. Excel- Tool bestellen >> 

Web-Tipp

Immowelt_Logo.jpg
Wer seine Wohnung verkaufen
will, muss sich bei laufenden Finanzierungskrediten mit seiner Bank in Verbindung setzen.

JOB- TIPP

Stellenmarkt.jpg
Sind Sie auf der Suche nach einer neuen Herausforderung? Interessante Stellenangebote für Rechnungswesen- Experten finden Sie in der Rechnungswesen-Portal Stellenbörse. Ihr Stellengesuch können Sie kostenfrei über ein einfaches Online-Formular erstellen.
Zur Stellenbörse >>

Zinsrechnung- Tool

Zinsrechnung ist ein auf Excel 2007 basierendes Makro unterstütztes Tool. Mit diesem Tool können Annuitätendarlehen (Zins- und Tilgungsrate) und Kontokorrent- staffeln ( z.B. zur Verzinsung von Gesellschafterkontern) berechnet werden. Die Einrichtung und Nutzung ist in einem Handbuch beschrieben. Excel- Tool
bestellen >>

WEB-TIPP

Facebook

Twitter

RSS Feed

Besuchen Sie die Seite von Rechnungswesen-Portal.de auf Facebook und twitter und abonnieren Sie unseren RSS-Feed.

Buch-Tipp

3482635722-80px.jpgDer Anhang nach BilMoG
In diesem werden die Angaben für den Anhang sehr gut erläutert. Besonders hilfreich für den Praktiker sind dabei die rund 100 Anhangsbeispiele aus publizierten Jahresabschlüssen sowie viele direkt einsetzbare Formulierungsbeispiele und Checklisten. Preis 32,80 EUR bestellen >>