Das Aktivierungsproblem der Bevölkerung bei der Altersvorsorge

Autor: Steffen Liebert
Bestellnummer: 90017667
Preis: 38,00 EUR
Hochschule: Berufsakademie Heidenheim Deutschland
Benotung: 1.7
Abgabedatum: 16.05.2007
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Das Aktivierungsproblem der Bevölkerung bei der Altersvorsorge


Einleitung:
Im Jahre 1889 verabschiedete der Reichstag das erste deutsche Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz. Es verpflichtete alle Arbeiter zwischen 16 und 70 Jahren in die Rentenkasse einzuzahlen. Ausgezahlt wurde die Rente erst mit 70 Jahren. Dies war nicht nur aus heutiger Perspektive enorm hoch, sondern vor allem aus damaliger Zeit beinahe utopisch, wenn man bedenkt, dass die Lebenserwartung in dieser Zeit bei 40 Jahren lag. Verdiente ein Arbeiter zur Erwerbszeit zwischen 350 und 550 Mark, dann erhielt er ab dem 70. Lebensjahr eine Rente in Höhe von 11,25 Mark. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde eine Mindestrente eingeführt und das durchschnittliche Rentenniveau lag bei ca. 30 % des Nettolohns.
Die Intention der Rente war damals, die Bevölkerung vor einer Altersarmut zu bewahren, als Einkommensersatz sollte sie nicht dienen. Die Renten wurden bisher über das Kapitaldeckungsverfahren organisiert, in dem jeder Versicherte seinen eigenen Kapitalstock bildete, der dann im Alter als eine Einkommensquelle diente. 1957 beschloss der deutsche Bundestag den Wechsel zum Umlageverfahren, besser bekannt als Generationenvertrag. Seit diesem historischen Moment werden alle Rentner von den derzeit Versicherten der GRV finanziert in der Hoffnung, dass die nachfolgende Generation das Gleiche für sie tut. Das System entwickelte sich sehr gut und die Renten, ?die ursprünglich den Unterhalt im Alter nur erleichtern, nicht aber vollständig decken sollten und die noch bis in die 1950er Jahre oftmals nicht zum Leben ausreichten, wurden Lohnersatzleistungen mit dem Ziel, den erworbenen Lebensstandard zu sichern.? Die gesetzliche Rente wurde zum Einkommensersatz.
Seit dem Fall der Mauer im Jahre 1989 und dem rückläufigen Bevölkerungswachstum funktioniert aber das Umlageverfahren nicht mehr. Immer mehr Rentnern stehen immer weniger Einzahler gegenüber. Dies wird unterstützt durch die rückläufige demographische Entwicklung. Veranschaulicht wird das durch den immer größer werdenden Altersquotienten, der das Verhältnis aus 60-Jährigen und Älteren zu der Altersgruppe 20 bis 59 Jahren widerspiegelt und im Moment bei 46 liegt. Das heißt, dass heute 1 Rentner von ein bisschen mehr als 2 Einzahlern in die GRV finanziert wird, Tendenz sinkend. Noch bedeutender für alle zukünftigen Rentner ist aber, dass trotz hoher Beiträge, die Höhe der Renten abnehmen wird. Geht man von einer Rentenerwartung von  70 % aus, dann liegt die Versorgungslücke bei etwa 15 bis 20 %.
Das Problem ist aber, dass die Deutschen in Anbetracht dieser ernsten Lage nicht ausreichend zur Altersvorsorge aktiviert werden können. Im Durchschnitt möchten die Deutschen im Ruhestand über 2.100 Euro monatlich verfügen. Sie schätzen, dass dafür eine monatliche Ersparnis von ca. 250 Euro nötig wäre. Es werden aber im Schnitt nur 198 Euro gespart. Jeder 6. befürchtet sogar, im Alter seinen Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln nicht bestreiten zu können. Es besteht die Gefahr einer zukünftigen Altersarmut.
Das Problem der mangelnden Aktiviertheit der Deutschen beim Thema Altersvorsorge ist Gegenstand vieler Studien und Veröffentlichungen. Diese publizieren meist statistische Durchschnittswerte. Das wertvolle Datenmaterial allein wird aber der Frage, warum die deutsche Bevölkerung nicht ausreichend zur Altersvorsorge aktiviert werden kann, meist nicht gerecht. Die großen Zahlen werden zwar nach unterschiedlichen Kriterien aufgedröselt, die Ursachen und Zusammenhänge bleiben aber ungeklärt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, dieses Aktivierungsproblem bei der Altersvorsorge zu analysieren und über die Ursachen und Zusammenhänge Klarheit zu verschaffen. Dabei wird folgende Vorgehensweise gewählt:
Zu Beginn wird dem Leser ein grundsätzliches Verständnis des psychophysiologischen Aktivierungsbegriffes vermittelt. Auf Basis dieser Erläuterungen wird die Anwendung der Aktivierungstheorie am Beispiel der Konsumentenforschung verdeutlicht. Dies erleichtert dann die Übertragung auf die Altersvorsorgethematik, da die Altersvorsorge im Grunde auch als Produkt verstanden werden kann, zu dessen Kauf die Bevölkerung aktiviert werden soll. Die ?Produkteigenschaften? werden näher erläutert und dadurch wird klar, dass Altersvorsorge ein besonderes Produkt ist, das den ?Käufer? bis zum Eintritt in den Ruhestand beschäftigt.
Es werden dabei vor allem die Wirkungen einzelner Merkmale auf die Aktivierung des Individuums untersucht. Die Arbeit dient hingegen nicht zur Aufklärung über die einzelnen Details der Rentensysteme. Im dritten Kapitel werden zuerst die Hemmungsfaktoren beim Aktivierungsprozess auf der psychischen Ebene des Individuums analysiert. Die Psyche des Menschen wird von seiner sozialen Umwelt, in der er sich befindet, geprägt. Die gesellschaftlichen Determinanten haben maßgeblichen Einfluss auf das Vorsorgeverhalten und werden deshalb im anschließenden Kapitel näher erörtert.
Die Analyseergebnisse der Ausführungen werden dann auf die bisherigen Aktivierungsversuche angewendet, um diese einer kritischen Beurteilung zu unterziehen. Dabei werden sowohl die Bemühungen des Gesetzgebers als auch die Aktivierungsversuche von Seiten der Anbieter von Altersvorsorgeprodukten beurteilt. Die Arbeit schließt mit dem fünften Kapitel, in dem ein Fazit gezogen wird und ein möglicher Ausweg aus der Aktivierungskrise skizziert werden soll.


Inhaltsverzeichnis:
|ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS|III
|ABBILDUNGSVERZEICHNIS|IV
1.|EINLEITUNG|1
2.|AKTIVIERUNG ZUR ALTERSVORSORGE ? EIN BEZUGSRAHMEN|3
2.1|Aktivierung im engeren Sinne|3
2.2|Aktivierung im Rahmen der Konsumentenforschung|6
2.3|Aktivierung im Kontext der Altersvorsorgeproblematik|8
3.|URSACHENANALYSE DES AKTIVIERUNGSPROBLEMS|9
3.1|Schwache Finanzkraft als Ursache des Aktivierungsproblems|9
3.2|Psychologische Aspekte der mangelnden Aktiviertheit|11
3.2.1|Altersvorsorgekonto als deaktivierender Faktor|11
3.2.2|Unsicherheit als Hemmungsfaktor|12
3.2.3|Unterbewertung der Altersvorsorge aufgrund überzogener Abdiskontierung|14
3.3|Gesellschaftliche Determinanten des Aktivierungsproblems|15
3.3.1|Deaktiviertheit der jungen Generation aufgrund der sozialen Werte und Motive|16
3.3.2|Familienzyklus als maßgeblicher Einflussfaktor auf das Sparverhalten|18
3.3.3|Mangelnde Aktiviertheit der Deutschen aufgrund von Aversion gegen die Altersvorsorgethematik|20
3.3.3.1|Grundsätzliche Abneigung gegen das Thema ?Alter?|20
3.3.3.2|Zusätzliche Aversion gegen das Thema ?Finanzen?|20
3.3.3.3|Mangelndes Wissen als Folge der Aversion und Ursache von Fehlentscheidungen|21
4.|AKTIVIERUNG BISHER ? EINE KRITISCHE BEURTEILUNG|24
4.1|Aktivierungsversuche von Seiten des Staates|25
4.1.1|Verspätete Lancierung des Aktivierungsreizes|25
4.1.2|Das Altersvermögensgesetz von 2001 und weitere Aktivierungsversuche in der Kritik|27
4.1.2.1|Die staatliche Zulage als missbrauchter Aktivierungsreiz|27
4.1.2.2|Unzureichende Maßnahmen gegen die Unsicherheit|29
4.1.2.3|Unzureichende Simplifizierung des Systems für den Einzelnen|30
4.1.2.4|Mangelhafte Renteninformation vom Gesetzgeber|30
4.1.2.5|Unzureichende Aktivierung bei der zweitwichtigsten Vorsorgeform Immobilie|31
4.2|Aktivierung von Seiten der Arbeitgeber|33
4.3|Aktivierungsversuche von Produktanbietern|34
5.|FAZIT UND SKIZZIERUNG EINER LÖSUNGSIDEE|36
|ANHANG|40
|LITERATURVERZEICHNIS|47




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