Aktuelle Entwicklungen in der Segmentberichterstattung nach IFRS und deren Bedeutung für die Finanzanalyse
| Autor: | Stefan Erbach |
| Bestellnummer: | 90017255 |
| Preis: | 48,00 EUR |
| Hochschule: | Hochschule Pforzheim Deutschland |
| Benotung: | 1.7 |
| Abgabedatum: | 30.11.2007 |
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Aktuelle Entwicklungen in der Segmentberichterstattung nach IFRS und deren Bedeutung für die Finanzanalyse
Einleitung:
1.1, Problemstellung:
Mit der IAS-Verordnung, die am 27.05.2002 vom Europäischen Parlament und am 06.06.2002 vom EU-Ministerrat verabschiedet wurde , sind kapitalmarktorientierte Unternehmen (sowohl Konzern- als auch Einzelunternehmen) verpflichtet, einen Jahresabschluss für Geschäftsjahre, die nach dem 01.01.2005 beginnen, nach den International Accounting Standards bzw. den International Financial Reporting Standards (IAS/IFRS) aufzustellen, wobei gemäß IAS 1.11 ?IFRS? den Oberbegriff darstellt.
Die IAS-Verordnung ließ es den Mitgliedstaaten frei, die IFRS ausnahmslos auf alle kapitalmarktorientierten Unternehmen anzuwenden und nicht kapitalmarktorientierten Konzernen und Einzelunternehmen Wahlrechte bei der Anwendung der IFRS einzuräumen. Dieser Gestaltungsspielraum wurde in Deutschland durch das Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) vom 04.12.2004 geregelt. Demnach wurde der Anwendungsbereich der IFRS auf Mutterunternehmen ausgeweitet, die die Zulassung als Wertpapieremittent zu einem organisierten Markt lediglich beantragt haben (§ 315a Abs. 2 HGB). Nicht kapitalmarktorientierten Unternehmen wurde ein Wahlrecht zur befreienden Aufstellung eines IFRS-Konzernabschlusses eingeräumt (§ 315a Abs. 3 HGB), welches auch für Personengesellschaften und Einzelkaufleute gilt, sofern diese als Mutterunternehmen konzernrechnungslegungspflichtig sind . Damit besteht für nichtkapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaften und für nichtkapitalmarktorientierte Personengesellschaften und Einzelunternehmen (§ 290 ff. HGB i. V. m. § 264a HGB bzw. § 11 PublG), die einen Konzernabschluss aufstellen müssen, ein Wahlrecht für die Anwendung der IFRS. Der Einzelabschluss ist weiterhin nach HGB aufzustellen, wobei allein für Offenlegungszwecke (Informationsfunktion) ein Einzelabschluss auch als IFRS-Abschluss anstatt des HGB-Abschlusses veröffentlicht werden kann (§ 325 Abs. 2a HGB). Dasselbe gilt für bestimmte Branchen, z. B. Kreditinstitute (§ 340i HGB) und Versicherungsunternehmen (§ 341i HGB), welche unabhängig von ihrer Größe und Rechtsform konzerrechnungslegungspflichtig nach § 290 ff. HGB sind. Für Konzernunternehmen, die ihren Abschluss zulässigerweise weiterhin nach den Vorschriften des HGB aufstellten, ist es zu einer Angleichung im Instrumentarium der Rechnungslegung gekommen. So hielten in § 297 Abs. 1 HGB mit der Kapitalflussrechnung, dem Eigenkapitalspiegel als zwingende Bestandteile des Konzernabschlusses durch das BilReG Einzug in die handelsrechtliche Konzernrechnungslegung. Die Segmentberichterstattung ist gemäß § 297 Abs. 1 Satz 2 HGB kein verpflichtender Bestandteil des Konzernabschlusses mehr. Kapitalmarktorientierte Unternehmen, die über § 315a HGB zur Aufstellung des Konzernabschlusses nach IFRS verpflichtet sind, müssen jedoch eine Segmentberichterstattung veröffentlichen.
Die Segmentberichterstattung ist ein Rechnungslegungsinstrument, das mit dem IAS 14 Reporting Financial Information by Segment vom International Accounting Standards Board (IASB) schon 1981 aus der US-amerikanischen Rechnungslegung als Bestandteil eines IAS/IFRS-Jahresabschlusses von kapitalmarktorientierten Unternehmen (Emittenten von Wertpapieren) übernommen wurde und für Geschäftsjahre, die ab dem 01.01.1983 begannen, anzuwenden war. Die letzte Fassung des IAS 14 ? IAS 14 Segment reporting ? stammte von 1997 und war für Geschäftsjahre anzuwenden, die ab dem 01.07.1998 begannen. Durch die angestrebte Konvergenz der IFRS mit den United States - Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP) erfährt die Segmentberichterstattung in jüngster Zeit weitreichende Änderungen hinsichtlich ihrer Konzeption und Aussagekraft für Abschlussadressaten. Als ein Ergebnis dieser Konvergenzbemühungen im Bereich der Segmentberichterstattung veröffentlichte das IASB am 30.11.2006 den fertigen IFRS 8 Operating Segments, der den bisherigen IAS 14 Segment reporting ersetzt und spätestens ab dem 01.01.2009 anzuwenden ist (IFRS 8.35).
Welche konzeptionellen Unterschiede zu IAS 14 bestehen und inwieweit eine Angleichung an die entsprechenden Vorschriften nach US-GAAP (SFAS 131) erreicht wurde, ist Gegenstand dieser Arbeit. Zudem wird die Aussagekraft und Bedeutung der Segmentberichterstattung in der Jahresabschlussanalyse einschließlich der möglichen Auswirkungen des IFRS 8 auf die Segmentberichterstattung als Informationsinstrument untersucht.
1.2, Gang der Untersuchung:
Zunächst werden die bisherigen Regelungen des IAS 14 vorgestellt, woran sich der Entwicklungsprozess des IFRS 8 und die Darstellung seiner endgültigen Form anschließen.
Die Segmentberichterstattung verfolgt den Zweck, dem Abschlussadressaten einen detaillierten Einblick in die Quellen des Erfolgs, der Erträge und Cashflows des Unternehmens zu geben. Immer dort, wo dem Fachkundigen jedoch mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden sollen, besteht auch die Gefahr einer Informationsüberflutung. Hieraus ergibt sich die Frage nach der Segmentabgrenzung, d. h. wie muss die Definition eines Segments lauten, damit der Adressat auch die für ihn wesentlichen Informationen erhält. Wie sich später zeigen wird, werden hierzu sowohl relative wie auch absolute Grenzen festgelegt, um den Informationsgehalt auf ein optimales Maß zu bringen.
Das einzelne Segment stellt lediglich das Objekt, sozusagen die ?Hülle? dessen dar, über das der Abschlussersteller informieren möchte. In einem zweiten Schritt muss diese ?Hülle? mit Informationen gefüllt werden ? den Segmentdaten. Auch hier gilt es dem Anspruch der Wesentlichkeit, der auch explizit im Rahmenkonzept des IASB, dem Framework, kodifiziert ist (Fw. 29, 30), gerecht zu werden.
Die Angabe von Segmentdaten steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Analyse der Segmentberichterstattung. Je mehr Segmentdaten offengelegt werden, desto mehr Analyseinstrumente können zum Einsatz gelangen. Umgekehrt besteht die Gefahr, dass bei unzureichender Information des Analysten, dieser sich kein deutliches Bild über die Finanz- und Ertragslage des Segments machen kann.
Die Funktionsweise der Segmentberichterstattung ist in allen Rechnungslegungsgrundsätzen (HGB, IAS/IFRS, US-GAAP) dieselbe, d. h. in einem ersten Schritt erfolgt die Segmentabgrenzung und im zweiten die Festlegung, welche Segmentdaten anzugeben sind. Die konzeptionellen Unterschiede bestehen in der Segmentabgrenzung, da hier unschiedliche Kriterien für die Bildung von Segmenten zugrunde gelegt werden können. Bezüglich der Segmentdaten gibt es Differenzen im Umfang und hinsichtlich der Bedingungen, unter welchen bestimmte Daten anzugeben sind bzw. entfallen können.
Erst nachdem diese Fragen für IAS 14 und dem neuen IFRS 8 erörtert wurden, kann man daraus Schlüsse für die Segmentanalyse ziehen. Im Rahmen dieser Arbeit soll im Wesentlichen auf die finanzielle Segmentanalyse eingegangen werden, die den einen Hauptzweig der Segmentanalyse darstellt. Der andere Hauptzweig ist die strategische Segmentanalyse. Diese hat eine marktbezogene Betrachtungsweise des jeweiligen Segments zum Gegenstand und soll an entsprechender Stelle kurz vorgestellt werden. Die finanzielle Segmentanalyse lässt sich weiter untergliedern in die finanzwirtschaftliche und die erfolgswirtschaftliche Analyse von Segmenten, wobei sich die finanzwirtschaftliche Analyse mit der Frage beschäftigt, inwieweit das eingesetzte Kapital bzw. das Vermögen in der Lage ist, Cashflows zu generieren, woraus sich Rückschlüsse auf die Innenfinanzierungskraft des Segments ziehen lassen. Wie profitabel ein Segment ist, lässt sich mit Hilfe der erfolgswirtschaftlichen Analyse beurteilen, welcher hierzu ? genau wie der finanzwirtschaftlichen Analyse ? eine Vielzahl von Kennzahlen zur Verfügung steht.
Abschließend wird dem Leser in einer zusammenfassenden Darstellung einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse ermöglicht.