Die Handelsbilanz nach IFRS als Ausgangspunkt für die zukünftige steuerliche Gewinnermittlung unter Abkehr vom Maßgeblichkeitsprinzip zur möglichen Entstehung eines eigenständigen Bilanzsteuerrechts
| Autor: | Nicole Winkler |
| Bestellnummer: | 90015513 |
| Preis: | 38,00 EUR |
| Hochschule: | Fachhochschule für Wirtschaft Berlin Deutschland |
| Benotung: | 1.3 |
| Abgabedatum: | 27.12.2007 |
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Die Handelsbilanz nach IFRS als Ausgangspunkt für die zukünftige steuerliche Gewinnermittlung unter Abkehr vom Maßgeblichkeitsprinzip zur möglichen Entstehung eines eigenständigen Bilanzsteuerrechts
Einleitung:
Vor dem Hintergrund der zunehmenden globalen Ausrichtung von Unternehmensaktivitäten und der internationalen Vernetzung von Kapitalmärkten, ist auch die fortschreitende Internationalisierung der einzelnen bislang national geprägten Rechnungslegungssysteme in Zukunft nicht mehr aufzuhalten.
Ein bedeutender Schritt in Richtung Internationalisierung der Rechnungslegung wurde mit der EU-Verordnung vom 19.07.2002 (IAS-Verordnung) gegangen. Damit wurden einerseits die kapitalmarktorientierten Unternehmen in der Europäischen Union zur Aufstellung eines Konzernabschlusses gemäß den IAS/IFRS verpflichtet und andererseits den Mitgliedstaaten der EU bereits das Wahlrecht zugestanden, die IFRS-Rechnungslegung auf nicht-kapitalmarktorientierte Unternehmen auszudehnen.
Mit dem Bilanzrechtsreformgesetz (BilReG) vom 04. Dezember 2004 hat der deutsche Gesetzgeber das nationale Bilanzrecht an die Vorgaben der IAS-Verordnung sowie der Schwellenwertrichtlinie, der Fair-Value-Richtlinie und der Modernisierungsrichtlinie angepasst. Infolgedessen ist im § 315a HGB die Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses nach IFRS und damit einhergehend die Befreiung von der Erstellung eines HGB-Konzernabschlusses fixiert worden. An der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz gemäß § 5 Abs. 1 EStG wurde jedoch weiterhin festgehalten, obwohl das Maßgeblichkeitsprinzip in den letzten drei Dekaden zunehmend eingeschränkt wurde.
Aktuelle Entwicklung:
Eine weitere Anpassung des nationalen Bilanzrechts an internationale Entwicklungen in der Rechnungslegung soll mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) erfolgen, das derzeit als Referentenentwurf vorliegt. Mit dem BilMoG soll zwar weiterhin an der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz festgehalten werden, die inhaltliche Annäherung der handelsrechtlichen Vorschriften an internationale Bilanzierungsregeln ist jedoch ein eindeutiger Schritt zur Internationalisierung des nationalen Handelsrechts.
Eine besondere Herausforderung stellt eine zukünftige nationale IFRS-Rechnungslegung für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) dar. Dem begegnet der IASB mit der Entwicklung der IFRS-Standards für KMU, um ihnen die Bilanzierung nach IFRS zu erleichtern.
Die Internationalisierung der handelsrechtlichen Rechnungslegung wird durch das Maßgeblichkeitsprinzips sowie durch die bereits eingeführten gesetzlichen Regelungen zur Zinsschranke und zum REIT-Gesetz auch das Steuerrecht beeinflussen. Daher sollten bei der Fortentwicklung des nationalen Bilanzrechts auch die europaweiten Bemühungen um eine gemeinsame konsolidierte Körperschaftsteuerbemessungsgrundlage beachtet werden, zu der sich auch die Bundesregierung im Koalitionsvertrag bekannt hat.
Problemstellung und Vorgehensweise:
In Anbetracht der gegenwärtigen Entwicklungen stellt sich daher die Frage, ob eine Handelsbilanz nach IFRS als Ausgangspunkt für die (zukünftige) steuerliche Gewinnermittlung herangezogen werden kann. Dabei sind eine mögliche Abkehr vom Maßgeblichkeitsprinzip und die Entstehung eines eigenständigen Bilanzsteuerrechts in Betracht zu ziehen.
Im Rahmen dieser Problemstellung sollen zunächst die Grundlagen der handels- und steuerrechtlichen Bilanzierung sowie der Rechnungslegung nach IFRS vermittelt werden. Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema der Internationalisierung des deutschen Handelsbilanzrechts sollen auch die genannten aktuellen Entwicklungen im Handels- und Steuerrecht berücksichtigt werden.
Für die möglichen Verknüpfungen zwischen einer Handelsbilanz nach IFRS und der steuerlichen Gewinnermittlung existieren verschiedene Zukunftsmodelle: Die Handelsbilanz nach IFRS als Grundlage für die Steuerbilanz unter Beibehaltung des Maßgeblichkeitsprinzips, die handelsrechtliche Bilanzierung nach IFRS unter Abkehr vom Maßgeblichkeitsprinzip zur Entstehung eines eigenständigen Bilanzsteuerrechts sowie die Abwandlung der Handelsbilanz nach IFRS zum Zwecke der steuerlichen Gewinnermittlung. In der vorliegenden Arbeit werden diese Modelle vorgestellt und anhand der zu erörternden Einflussfaktoren auf die handelsrechtliche Bilanzierung nach IFRS sowie durch einen analytischen Vergleich ausgewählter Rechnungslegungsvorschriften nach HGB, IFRS und steuerlichen Gewinnermittlungsvorschriften das gegenwärtig am besten geeignete Modell ermittelt werden. Dabei wird auch die Bedeutung eines internationalisierten Handelsbilanzrechts für die kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) herausgestellt werden.