Besonderheiten der Unternehmensbewertung in der Film- und Fernsehindustrie

Autor: Insa Niemeyer
Bestellnummer: 90017732
Preis: 48,00 EUR
Hochschule: Universität Hamburg Deutschland
Benotung: 2
Abgabedatum: 02.07.2007
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Besonderheiten der Unternehmensbewertung in der Film- und Fernsehindustrie


Einleitung:
Bedeutende Unternehmenstransaktionen in der Film- und Fernsehindustrie haben in den letzten Jahren vielfach für Aufsehen und Schlagzeilen gesorgt. Als derzeit wohl bekanntestes Beispiel kann in diesem Zusammenhang die geplante und letztlich vom Kartellamt untersagte Übernahme der ProSiebenSat.1 Media AG durch den Axel Springer Verlag genannt werden. Überdies weisen gegenwärtige Aktivitäten darauf hin, dass der Mergers & Acquisitions (M&A)-Markt im Film- und Fernsehsektor auch in Zukunft in Bewegung bleiben wird. So stellt die fünfprozentige Beteiligung der KTB-Technologie Beteiligungsgesellschaft an der Filmgesellschaft Senator Entertainment AG nur ein aktuelles Beispiel für die Relevanz von Unternehmensbewertungen in der Film- und Fernsehindustrie dar. Ein weiteres Exempel statuiert der am 6. März 2007 erfolgte Vollzug des Anteilskaufvertrags zwischen German Media Partners, dem bisherigen Mehrheitsgesellschafter der ProSiebenSat.1 Media AG und der Lavena Holding 4 GmbH, einer Holding, die durch KKR bzw. Permira beratene Fonds kontrolliert wird.
Diese und viele weitere M&A-Aktivitäten weisen darauf hin, dass nicht nur organisches, sondern auch externes Wachstum in der Film- und Fernsehindustrie an Bedeutung gewinnt. Diese Relevanz rückt insbesondere im Lichte wachsenden Wettbewerbs sowie des für kleine Unternehmen hohen Risikos und der induzierten schlechten Finanzierungsmöglichkeiten in den Vordergrund. So konstatierten ebenfalls verschiedene Unternehmensvertreter, dass die Größe eines Film- bzw. Fernsehunternehmens für den langfristigen Erfolg eine Schlüsselrolle einnimmt. Jedoch wurden in der Vergangenheit, vor allem zu Zeiten des Neuen Marktes, häufig die Hoffnungen, die im Vorfeld einer Übernahme des entsprechenden Film- oder Fernsehunternehmens an ein externes Wachstum geknüpft wurden, im Nachhinein enttäuscht. Die Preise und Konditionen einer solchen Transaktion deuten daher auf erheblichen Diskussionsbedarf über die korrekte Ermittlung von Entscheidungswerten in der Film- und Fernsehindustrie hin. In diesem Zusammenhang scheint es, als würden die traditionellen Bewertungsmethoden den Besonderheiten dieser Branche, die vor allem in dem eminenten Anteil immaterieller Werte, wie Filmrechten und Humankapital liegen, nicht gerecht werden. Diese konzeptionellen Schwächen zeigen die Notwendigkeit zur Erfassung eben dieses großen Anteils immaterieller Vermögenswerte durch spezielle Bewertungsmethoden, die die etablierten Unternehmensbewertungsmodelle in ihrer praktischen Konstruktion unterstützen sollen.
In der wissenschaftlichen Literatur fehlt den Ansätzen zur Unternehmensbewertung in der Film- und Fernsehindustrie bisher jedoch die nötige konkrete Ausgestaltung. Obwohl bekannt ist, dass man mit den traditionellen Methoden bei der Anwendung für Film- und Fernsehunternehmen auf erhebliche Schwierigkeiten stößt, fanden bislang kaum Untersuchungen zu branchenspezifischen Bewertungsverfahren statt. Vielmehr werden hauptsächlich Erklärungsmodelle zur Diskrepanz zwischen Bewertungstheorie und Wirklichkeit erörtert, aber keine Implikationen für spezielle Bewertungsmethoden abgeleitet. Obwohl Karl Ulrich im Jahr 2006 in einer Veröffentlichung auf die Besonderheiten der Bewertung von Medienunternehmen eingeht und die Schwächen der traditionellen Methoden aufdeckt, bleiben Lösungsansätze nur unzureichend erkennbar. Allerdings publizierte Ulrich eine empirische Studie über die Bewertung einer Formatbibliothek eines TV-Produktionsunternehmens, die erste Resultate bringt. Darüber hinaus lieferten branchenspezifische Studien von Amram und Martin/Wang Ideen zur Verbesserung der Validität der Bewertungsergebnisse in diesem Bereich. Größtenteils beschränkt sich die derzeitige Literatur aber auf die Analyse und Differenzierung der Bilanzierungsvorschriften (HGB, IFRS, US-GAAP) des immateriellen Vermögens, die zweifelsohne die Ausgangsbasis einer fairen, prospektiven Unternehmensbewertung in diesem Sektor darstellen. Allerdings sollten sich die Forschungsbemühungen nicht allein auf diese rechnungslegerischen Vorschriften beschränken, da die gängigen Bewertungsmodelle ohnehin unabhängig von der angewandten Bilanzierungsmethodik operieren.
Gang der Untersuchung:    
Vor dem Hintergrund der aktuellen Relevanz von Unternehmensbewertungen im Bereich der Film- und Fernsehindustrie und ihrer Gestaltungsdefizite werden zunächst die bewertungsrelevanten Besonderheiten der Branche dargestellt und anschließend die begrifflichen Grundlagen zur Unternehmensbewertung unter Berücksichtigung der formulierten Zielsetzung definiert.
Der Schwerpunkt wird dabei auf dem deutschen Medienmarkt liegen, wobei zum Teil Verweise auf den amerikanischen Film- und Fernsehsektor vorgenommen werden. Auf Basis dieser theoretischen Grundlagen sowie der Einschätzungen aus der unternehmerischen Praxis, die aus einer empirischen Studie gewonnen wurden, folgt eine Analyse über die zwingenden Anforderungen, die an ein film- und fernsehspezifisches Unternehmensbewertungsmodell gestellt werden müssen.
Dieser Bewertungskatalog modifiziert allgemeine Beurteilungskriterien für Unternehmensbewertungsmodelle in film- und fernsehspezifische Anforderungen, anhand derer die selektierten Verfahren bewertet werden können. Anschließend folgt ein Überblick über die gängigen Bewertungsmodelle und eine kurze Skizzierung der für die Film- und Fernsehpraxis relevanten Verfahren in ihrem Aufbau und ihrer Zielsetzung.
Darüber hinaus wurden aus der empirischen Untersuchung, Kenntnisse über die film- und fernsehspezifische Vorgehensweise im Zusammenhang mit dem jeweiligen Verfahren erlangt, um eine abschließende Beurteilung über die Anwendbarkeit des jeweiligen Bewertungsmodells unter den Bedingungen des Kriterienkataloges geben zu können.
Eine vergleichende Diskussion fasst die Vorzüge und Defizite der Unternehmensbewertungsmodelle abschließend zusammen. Auf dieser Grundlage werden Gestaltungshinweise ausgesprochen, die Ansatzpunkte für die Realisierung eines branchenspezifischen Unternehmensbewertungsmodells aufzeigen.
Schließlich werden die Ergebnisse der Arbeit und deren Relevanz für die wissenschaftliche Theorie sowie die unternehmerische Praxis zusammengefasst und ein Ausblick auf die Zukunft der Unternehmensbewertung in der Film- und Fernsehindustrie getätigt.




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