Studie: Männlicher Bias in vielen Stellenanzeigen

Formulierungen könnten Frauen von einer Bewerbung abschrecken

Geschlechtsneutrale Anzeigen sind selten. Fast alle Stellenanzeigen auf dem Jobportal StepStone veröffentlichte Stellenanzeigen enthalten geschlechtsspezifische Formulierungen. Besonders häufig kämen männerspezifische Formulierungen vor. Dies könne Frauen von einer Bewerbung abhalten, warnt StepStone. Aber was sind eigentlich geschlechtsspezifische Formulierungen?

Bestimmte Formulierungen in Jobausschreibungen sprechen nicht alle Menschen gleichermaßen an - meist unbeabsichtigt. Zu diesem Ergebnis kommt die Online-Jobplattform StepStone nach der Analyse von einer halben Million Jobbeschreibungen, die zwischen Dezember 2020 und Mai 2021 auf auf der Plattform aktiv waren. Die Jobbörse fand nach eigenen Angaben, dass 96 Prozent geschlechtsspezifische Formulierungen enthielten: 50 Prozent waren eher männlich kodiert, 32 Prozent weiblich, und bei 17 Prozent kamen Kodierungen für beide Geschlechter gleich oft vor.

Durchsetzungsstark klingt männlich

So spreche der Satz "Wir suchen eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit" in einer Stellenanzeige Männer eher an als Frauen. Grund dafür sei eine unbewusste gedankliche Verzerrung (Unconscious Bias). Der Begriff steht für Annahmen oder Stereotype über Frauen und Männer, die unbewusst unsere Sprache beeinflussen. Gefahr für die Unternehmen: Solche Formulierungen könnten Frauen von einer Bewerbung abschrecken, warnen die Autoren der Studie.

Dabei berufen Sie sich auf eine Studie (Evidence That Gendered Wording in Job Advertisements Exists and Sustains Gender Inequality), die Danielle Gaucher und andere im März 2011 im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht haben. Als weiblich kodiert stufte StepStone etwa die Adjektive engagiert, verantwortungsvoll, motivierend oder kreativ ein.


Männlicher Bias typisch für fast alle Branchen

In fast allen Branchen fanden die Experten von StepStone in Stellenanzeigen einen starken männlichen Bias, besonders häufig in der Telekommunikations- und Finanzbranche. Als Grenzwert für einen starken männlichen Bias setzten die Forscher mindestens drei männlich kodierte Formulierungen mehr als weibliche an. Deutlich mehr weiblich kodierte Formulierungen fanden die Experten nur in drei Branchen: In der Hotellerie und Gastronomie, im Gesundheitswesen und im Bildungsbereich. In diesen Branchen seien häufig auch mehr Frauen tätig, und das Lohnniveau sei niedriger. Noch deutlicher zeige sich der männliche Bias in Stellenanzeigen für Management-Positionen: 62 Prozent adressieren in ihren Formulierungen mehr Männer als Frauen.

Diese Kodierungen geschähen unbewusst, erklären die Autoren der Studie. Arbeitgeber seien sich des wachsenden Fachkräftemangels beusst und wollten mehr Diversität. Allerdings bewirkten unbewusste Formulierungen in Stellenanzeigen das Gegenteil. Denn wenn sich Frauen abgeschreckt fühlten, entgingen den Personalabteilungen wertvolle Bewerbungen.

Über die StepStone Analyse von Sprache in Stellenanzeigen

Das StepStone Data Science Team hat im Zeitraum vom 1.12.2020 bis zum 31.5.2021 rund 683.000 auf StepStone veröffentlichte Stellenanzeigen mit dem Genderbias Decoder auf geschlechtsspezifische Vorurteile hin geprüft. Für die Detailanalysen wurden nur Branchen, Berufsgruppen und Managementlevel berücksichtigt, für die mindestens 1000 Jobs online waren.

Erstellt von (Name) W.V.R. am 01.11.2021
Geändert: 02.11.2021 11:23:31
Autor:  Wolff von Rechenberg
Quelle:  StepStone
Bild:  Bildagentur PantherMedia / AndreyPopov
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