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Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) - Grenzen und Neuregelungen

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Als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) werden Güter bezeichnet, deren Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten einen gesetzlich bestimmten Betrag nicht übersteigen.  Diese können entweder direkt in den Aufwand gebucht oder bereits im Anschaffungsjahr voll abgeschrieben werden. Die dabei bestehenden gesetzlich festgelegten Grenzen haben sich in den letzten Jahren oft verändert. Das erschwert gerade dem Einsteiger die Buchung von GWG. Die Rechnungswesen-Portal.de -Redaktion will hiermit einen Überblick bieten.

GWG-Grenzen:

  • bis Ende 2001: 800,- DM
  • ab 2002: 410,- EUR
  • ab 2008: 150,- bzw. 1.000,- EUR bei Sammelposten
  • ab 2010: wieder 410,- EUR oder wahlweise 150,- bzw. 1.000,- EUR bei Sammelposten

Weiterer Beitrag zu den GWG-Grenzen mit Praxistipps >>


Grundlagen:

Geringwertige Wirtschaftsgüter müssen beweglich und abnutzbar sowie selbstständig nutzbar sein (siehe EStG §4 Abs. 3 Satz 3,  §6 Abs. 2) und dürfen die o.g. Wertgrenzen nicht überschreiten.

Voraussetzungen :
  • Um geringwertige Wirtschaftsgüter abschreiben zu können, müssen Anschaffungs- oder Herstellungskosten angefallen sein.
  • Der Höchstbetrag von 410 € (in 2008 und 2009 150 €) ist ohne Mehrwertsteuer zu betrachten, unabhängig davon, ob das Unternehmen zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Dieser Betrag beinhaltet allerdings alle Anschaffungskosten, d.h. laut § 255 Abs. 1 HGB auch die Anschaffungsnebenkosten. Zusammen dürfen diese Beträge 410 €/150 € nicht überschreiten. Anschaffungspreisminderungen und ein in Anspruch genommener Investitionsabzugsbetrag sind abzuziehen.
  • Das Wirtschaftsgut muss selbstständig nutzbar sein, d.h. dass es nicht nur im Zusammenhang mit anderen Wirtschaftsgütern genutzt werden kann, sondern auch allein. Eine selbstständige Nutzung hat oftmals die geforderte Beweglichkeit des Gegenstandes als Voraussetzung. Diese muss ebenfalls erfüllt sein. Um abgeschrieben werden zu können, muss die Anlage zudem abnutzbar sein. Solche Wirtschaftsgüter sind beispielsweise Kopierer, Einrichtungsgegenstände oder Computer. Ein Drucker für einen PC im Büro gilt daher nicht als GWG, weil er nicht selbstständig nutzbar ist, sondern für den Betrieb einen PC benötigt. Dabei gilt es zu beachten, dass Kombigeräte, die einen Scanner und Drucker beinhalten und dadurch eine PC-unabhängige Kopierfunktion haben, als GWG angesetzt werden können.

Betriebsausgabe / Anlagenverzeichnis

Abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter, die Anschaffungs- bzw. Herstellkosten bis zu 150 € haben, können direkt als Betriebsausgabe gemäß § 6 Abs. 2 EStG abgesetzt werden. Die 60 € Grenze wurde ab 2008 auf 150 € angehoben. Im Gegensatz zu den Wirtschaftsgütern ab 150,01 EUR besteht für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 150 € keine Dokumentationspflicht. Somit muss kein separates Anlagenverzeichnis geführt werden. 

Sammelposten Regelungen


Wenn die Anschaffungskosten für das Wirtschaftsgut über 150 € liegen und den Betrag von 1.000 € nicht überschreiten, kann nach § 6 Abs. 2 a EStG ein Sammelposten eingerichtet werden (Muss-Regelung in den Jahren 2008 und 2009).
In diesem werden alle Wirtschaftsgüter eines Jahres zusammengefasst, welche die Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten von 150 € übersteigen und unter 1000 € liegen. Dieser GWG-Sammelposten wird über 5 Jahre linear abgeschrieben. Der Anschaffungszeitpunkt im Wirtschaftsjahr beeinflusst die Berechnung der Abschreibungssumme nicht. Falls ein Wirtschaftsgut aus dem Unternehmen ausscheidet, wird der Sammelposten nicht wertberichtigt. Dementsprechend muss ein Sammelposten für jedes Wirtschaftsjahr neu angelegt werden. Die Wirtschaftsgüter werden in einem separaten Sachanlagenkonto aufgeführt.

Näheres zur Abschreibung eines GWG-Sammelposten finden Sie in diesem Beitrag >> 


Neuregelungen ab den 01.01.2010


Ab 01.01.2010 besteht nun ein Wahlrecht je Wirtschaftsjahr für geringwertige Wirtschaftsgüter.
Hierbei können Wirtschaftsgüter nach § 6  Abs. 2 EStG mit Anschaffungskosten bis 410 € netto im Jahr der Anschaffung sofort abgeschrieben werden. Wenn die Anschaffungskosten unter 150 € liegen, kann das Wirtschaftsgut sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Die Pflicht zur Aufzeichnung in ein entsprechendes Verzeichnis für Wirtschaftsgüter von 150,01 € bis 410 € wurde dabei wieder eingeführt.

Alternativ kann weiterhin die Regelung zum Sammelposten nach § 6 Abs. 2 a EStG angewendet werden. Wichtig ist es dabei zu beachten, dass pro Wirtschaftsjahr für jedes neuangeschaffte Wirtschaftsgut, die gleiche Regel anzuwenden ist. Das heißt, wenn Sie für ein Wirtschaftsgut die 410 € Regel anwenden, müssen Sie diese für alle weiteren Wirtschaftsgüter in diesem Geschäftsjahr anwenden. Ein Wechsel innerhalb des Jahres zum Sammelposten wäre dann nicht möglich.

Überschusseinkunftsarten


Keine Änderung der Gesetzeslage liegt jedoch bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung, Kapitalvermögen, nicht selbstständiger Arbeit und den sonstigen Einkünften vor. Bei diesen Überschusseinkünften wird weiterhin eine Grenze von 410 € angesetzt.

Unterteilung von Wirtschaftsgütern

Relevant für die Kategorisierung von GWG ist die Frage, ob ein Anlagegut selbstständig nutzungsfähig ist. Ein Wirtschaftsgut ist einer selbständigen Nutzung nicht fähig, wenn es nur zusammen mit anderen Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens nutzbar ist und die in einen Nutzungszusammenhang eingefügten Wirtschaftsgüter technisch aufeinander abgestimmt sind. Die Tabelle zeigt einige Praxis-Fälle:


   
selbstständig nutzungsfähig
nicht selbstständig nutzungsfähig

- Bestecke in Gaststätten
- Kino- & Theaterstühle

- Bücher einer Leihbücherei
- Maschinenersatzteile

- Leergut
- Leuchtstoffröhren

- Steh- Tisch- & Hängelampen
- Werkzeuge

- Trivialprogramme
- Peripheriegeräte einer PC-Anlage
(z. B. Maus, Monitor, Tastatur)

- Kombigeräte eines PC
 (PC-unabhängiger Kopierer)

- externe Datenspeicher

 

Weitere Beispiele für geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) und beispielhafte Buchungssätze dazu finden Sie in diesem Beitrag >>


gwg-Schema2.jpg


Private Nutzung von GWG

Wird ein Wirtschaftsgut auch privat verwendet, muss der Teil der Abschreibungen, der auf den Privatanteil entfällt, dem Gewinn hinzugerechnet werden. Nutzt der Unternehmer ein Telefon nur zu 70 % betrieblich, werden, bei einem Anschaffungspreis von 100 €,  30 € zum Gewinn gezählt. Auch die darauf entfallene Umsatzsteuer muss nachträglich beglichen werden.

Umsatzsteuerbefreiung


Für die Einteilung in GWG ist immer der Nettobetrag zu betrachten. Kauft ein umsatzsteuerbefreiter Unternehmer (z.B. ein Arzt) ein PDA für 178,50 € inkl. USt, so kann er ihn dennoch sofort in den Aufwand buchen, da der Nettopreis 150 € beträgt.

Beurteilung der Neuerungen von 2008 und 2010


Insofern ein Wirtschaftsgut eine Nutzungsdauer von fünf Jahren übersteigt, ist dies ein Vorteil für den Unternehmer. Ein Schreibtisch, der 990 € netto gekostet hat, ist nun anstatt über 13 Jahre, in 5 Jahren im Sammelposten abzuschreiben. Zudem positiv ist der Wegfall der Dokumentationspflicht für geringwertige Wirtschaftsgüter bis 150 € netto. Durch die Überarbeitung der Regelung ab 2010, fällt der in den Jahren 2008 und 2009 bestandene Nachteil wieder weg, dass eine Sofortabschreibung von Gütern zwischen 150 und 410 EUR nicht mehr möglich war. Nachteilig bleibt, dass es bei Nutzung des Sammelpostens nicht mehr gestattet ist, bei Verkauf eines Wirtschaftsgutes für die Gewinnermittlung den Buchwert vom Verkaufspreis abzuziehen.


Bei offenen Fragen zum Thema GWG nutzen Sie bitte das Rechnungswesen-Portal.de- Buchhalter-Forum >>



letzte Änderung Alexander Wildt am 06.04.2013
Bild:  © PantherMedia / Sonja Wittke

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14.06.2013 09:52:24 - Projektmg

Hallo,

die grafische Darstellung finde ich sehr hilfreich, habe allerdings den Eindruck, dass ein kleiner Fehler drin ist:
Die Entscheidungsbox mit den "Nettokosten bis 150€" muss m.E. OBERHALB der Fallunterscheidung selbständig/nicht selbständig nutzbar kommen. Sonst müsste ja jedes Ersatz- oder Zubehörteil (z.B. Computertastatur) ab 1ct Wert aktiviert werden.
Liege ich richtig?

VG
[ Zitieren | Name ]

14.06.2013 10:17:54 - Redaktion

Hallo Projektmg,

wir haben die Grafik geprüft und konnten keinen Fehler feststellen.

Es muss natürlich immer geprüft werden, ob Zubehör mit zu den Anschaffungskosten des eigentlich Geräts gehören. Und Ersatzteile sind in der Regel Instandsetzungsaufwand und fallen somit aus der Betrachtung heraus.

Die Grafik zeigt den korrekten Weg der im Gesetz beschrieben wird. Siehe hierzu auch §6 Abs. 2 EStG.

Mit freundlichen Grüßen

Die Redaktion vom Rechnungswesen-Portal.de
[ Zitieren | Name ]

11.12.2013 17:09:54 - Sören Nerger

... doch, es gibt einen Fehler. § 6 (2a) Satz 4 lautet: "... KÖNNEN im Wirtschaftsjahr der Anschaffung, Herstellung oder Einlage des Wirtschaftsguts oder der Eröffnung des Betriebs in voller Höhe als Betriebsausgaben abgezogen werden, wenn die Anschaffungs- oder Herstellungskosten ... 150 Euro nicht übersteigen." Das ist keine Muss-Bestimmung mehr wie in der Fassung von 2008.
Daher fehlt ein Pfeil von der Entscheidungsbox mit den "Nettokosten bis 150€" zur Box "Aktivierung im Anlagevermögen und Abschreibung über betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer". Man kann durchaus eine Schreibtischlampe für 80 Euro aktivieren und über ihre Nutzungsdauer abschreiben, wenn sie langfristig dem Unternehmen dient. Macht zwar keiner im Einzelfall, kann man aber. Zum Beispiel wenn es sich um eine größere Anzahl an Wirtschaftsgütern handelt, könnte man drüber nachdenken, so zu verfahren.

Mit freundlichen Grüßen.

S. Nerger
[ Zitieren | Name ]

20.03.2014 11:37:47 - loris

wir führen die gwg 150-410 im Einzelnachweisverfahren. Im Jahr der Anschaffung werden alle Anlagen zu 100 % abgeschrieben.

Müssen hierzu noch zusätzlich diese Anlagen als Vollabgang behandelt und ausgewiesen werden?

Diese Anlagegüter sind noch in Einsatz/Zugriff/Eigentum des Unternehmen!

Lt. Prüfer müssen diese Analgen als Vollabgang behandelt werden da ansonstenden sich ja die jeweiligen AHK´s als "Historische Anschaffungswerte" sich stets weiter nach oben entwickeln würden.

Ist dies richtig?
[ Zitieren | Name ]

21.03.2014 09:12:54 - Sören Nerger

Ja, das ist richtig. Wobei es aber zwei gebräuchliche Methoden gibt.
Einmal der Vollabgang im Jahr des Zugangs oder der Vollabgang im Folgejahr.
Ich würde die zweite Variante bevorzugen, da die Anschaffungskosten dieser GWG dann immer zum Ende des Wirtschaftsjahres Im Anlagegitter in der Spalte AHK zum 31.12. mit ausgewiesen werden. Im Folgejahr dann einfach in der ersten Periode den Abgang zum 01.01. buchen.
Die gewählte Methode dann natürlich beibehalten (Bilanzkontinuität).
[ Zitieren | Name ]
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