Nachhaltigkeitsbericht: Pflicht für viele Unternehmen

Bund setzt CSR-Richtlinie der EU um

Viele Unternehmen müssen am Ende des Jahres einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Grund ist ein neues Gesetz. Es verpflichtet größere Unternehmen zur Abgabe einer nichtfinanziellen Erklärung zeitgleich mit dem Lagebericht. Die Berichtspflicht gilt für alle Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2016 beginnen. Rechnungswesen-Portal.de hat erklärt, wen die Pflicht trifft und was in einem Nachhaltigkeitsbericht stehen muss.

 Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Das Wort des Dichters Friedrich Schiller gilt auch im Geschäftsleben – wenn auch nur für Zweckbeziehungen und meist auf Zeit. Unternehmen prüfen vor Investitionen, Beteiligungen oder längerfristigen Geschäftsbeziehungen gründlich die finanziellen Kennzahlen ihrer Partner. Immer häufiger spielen bei der Wahl von Partnerschaften oder Beteiligungen neben den finanziellen Kennzahlen eines anderen Unternehmens auch dessen Maßnahmen für Gerechtigkeit und Umweltschutz eine Rolle.

Das "Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten" dient nach dem Willen der Bundesregierung der langfristigen Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Ähnliche Regeln gelten in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union, denn die Bundesregierung setzt mit dem neuen Gesetz eine EU-Richtlinie (2014/95/EU) um. Dafür änderte man das Handelsgesetzbuch (HGB), führte sechs neue Informationspflichten sowie vier weitere Vorgaben für die Wirtschaft ein. Die Kosten für Unternehmen beziffert die Bundesregierung auf einmalig 35,219 Millionen Euro für die Umstellung. Hinzu kommen demnach weitere Zusatzkosten in Höhe von jährlich 10,794 Mio. Euro.
Berichtspflicht gemäß § 289b HGB)
Das Gesetz verpflichtet Unternehmen dazu, ihrem Lagebericht einen nichtfinanziellen Bericht hinzuzufügen. Die Berichtspflicht betrifft mittelgroße und große Kapitalgesellschaften im Sinne von § 267 Abs. 3, Satz 1 HGB, die also zwei der folgenden drei Merkmale überschreiten:
  • 20 Mio. Euro Bilanzsumme, 
  • 40 Mio. Euro Umsatzerlöse in den zwölf Monaten vor dem Abschlußstichtag, 
  • Im Jahresdurchschnitt 250 Arbeitnehmer (in diesem Fall gilt eine Betriebsgröße von mehr als 500 Mitarbeitern).

 Außerdem muss die Kapitalgesellschaft
  • kapitalmarktorientiert im Sinne von § 264d HGB sein und 
  • Im Jahresdurchschnitt mehr als 500 Mitarbeiter beschäftigen.

Betroffene Unternehmen können ihre nichtfinanzielle Erklärung entweder als Teil des Lageberichts veröffentlichen oder in einem eigenen Lagebericht, wobei sie auf die Zahlen im finanziellen Lagebericht verweisen dürfen. Wahlweise dürfen Unternehmen ihren nichtfinanziellen Bericht auf ihrer Internetseite veröffentlichen. Das muss spätestens sechs Monate nach dem Bilanzstichtag geschehen sein. Der Bericht muss dort zehn Jahre lang verfügbar bleiben.

Die Berichtspflicht entfällt für Kapitalgesellschaften, die Töchter von Muttergesellschaften sind, die ihrerseits einen nichtfinanziellen Bericht aufstellen, der den Regeln der Richtlinie 2014/95/EU entspricht. Der nichtfinanzielle Bericht muss nur formal geprüft werden. Eine inhaltliche Prüfung können Unternehmen freiwillig vornehmen lassen. Allerdings müssen sie das Prüfergebnis dann ebenfalls veröffentlichen.

Was muss im Nachhaltigkeitsbericht stehen?

Unternehmen müssen in ihrem nichtfinanziellen Bericht fünf Aspekte berücksichtigen. Der Gesetzgeber beschreibt die Mindeststandards wie folgt (§ 289c HGB):
  1. Umweltbelange, wobei sich die Angaben beispielsweise auf Treibhausgasemissionen, den Wasserverbrauch, die Luftverschmutzung, die Nutzung von erneuerbaren und nicht erneuerbaren Energien oder den Schutz der biologischen Vielfalt beziehen können,
  2. Arbeitnehmerbelange, wobei sich die Angaben beispielsweise auf die Maßnahmen, die zur Gewährleistung der Geschlechtergleichstellung ergriffen wurden, die Arbeitsbedingungen, die Umsetzung der grundlegenden Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation, die Achtung der Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, informiert und konsultiert zu werden, den sozialen Dialog, die Achtung der Rechte der Gewerkschaften, den Gesundheitsschutz oder die Sicherheit am Arbeitsplatz beziehen können,
  3. Sozialbelange, wobei sich die Angaben beispielsweise auf den Dialog auf kommunaler oder regionaler Ebene oder auf die zur Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften ergriffenen Maßnahmen beziehen können, 
  4. die Achtung der Menschenrechte, wobei sich die Angaben beispielsweise auf die Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen beziehen können, und 
  5. die Bekämpfung von Korruption und Bestechung, wobei sich die Angaben beispielsweise auf die bestehenden Instrumente zur Bekämpfung von Korruption und Bestechung beziehen können.

 Zu jedem der genannten Punkte muss das Unternehmen alle Angaben machen, die für Geschäftsverlauf und Geschäftsumfeld sowie die Tätigkeit der Kapitalgesellschaft wichtig sind, einschließlich
  1. einer Beschreibung der von der Kapitalgesellschaft verfolgten Konzepte, einschließlich der von der Kapitalgesellschaft angewandten Due-Diligence-Prozesse,
  2. der Ergebnisse der Konzepte nach Nummer 1,
  3. der wesentlichen Risiken, die mit der eigenen Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft verknüpft sind und die sehr wahrscheinlich schwerwiegende negative Auswirkungen auf die in Absatz 2 genannten Aspekte haben oder haben werden, sowie die Handhabung dieser Risiken durch die Kapitalgesellschaft,
  4. der wesentlichen Risiken, die mit den Geschäftsbeziehungen der Kapitalgesellschaft, ihren Produkten und Dienstleistungen verknüpft sind und die sehr wahrscheinlich schwerwiegende negative Auswirkungen auf die in Absatz 2 genannten Aspekte haben oder haben werden, soweit die Angaben von Bedeutung sind und die Berichterstattung über diese Risiken verhältnismäßig ist, sowie die Handhabung dieser Risiken durch die Kapitalgesellschaft,
  5. der bedeutsamsten nichtfinanziellen Leistungsindikatoren, die für die Geschäftstätigkeit der Kapitalgesellschaft von Bedeutung sind,
  6. soweit es für das Verständnis erforderlich ist, Hinweisen auf im Jahresabschluss ausgewiesene Beträge und zusätzliche Erläuterungen dazu.

Verfolgt das Unternehmen in einem oder mehreren Punkten kein Konzept, dann muss es das im Bericht vermerken und begründen, warum nicht.

Rahmenwerke: Der einfache Weg zum Nachhaltigkeitsbericht
 
Das Unternehmen kann für seine nichtfinanzielle Erklärung auch auf externe Richtlinien zurückgreifen, so genannte Rahmenwerke (§ 389d HGB). Diese Rahmenwerke stellen Unternehmen Richtlinien für Aufbau und Inhalt ihrer CSR-Berichte zur Verfügung. Das Unternehmen verliert damit natürlich Spielraum für eigene Gestaltungen. Andererseits verschlingt der Aufbau eigener Richtlinienwerke eine Menge Zeit und Arbeitskraft. Wer den einfachen Weg gehen will, dem nennt die DQS CFS GmbH – Deutsche Gesellschaft für Nachhaltigkeit auf ihrer Internetseite die folgenden Rahmenwerke für den Nachhaltigkeitsbericht:

 Wenn ein Unternehmen einen dieser Rahmenpläne nutzt, muss es erklären, welchen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltigkeit empfiehlt insbesondere die G4-Leitlinien und den Deutschen Nachhaltigkeitskodex. Alle anderen Rahmenwerke seien zwar durchaus sinnvoll, aber eigentlich nicht für die Berichterstattung entwickelt worden. Unternehmen, die ein Rahmenwerk nutzen wollen, sollten sich die entsprechenden Richtlinien also genau ansehen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärt in einem PDF, wie Unternehmen anhand der G4-Richtlinien in sieben Schritten einen Nachhaltigkeitsbericht aufstellen können .

Weglassen einzelner Angaben nur unter Auflagen
 
Das Weglassen einzelner Angaben erlaubt das Gesetz nur in exakt bestimmten Ausnahmen. Unternehmen dürfen Angaben zu künftigen Entwicklungen verschweigen, über die gerade verhandelt wird. Das darf der Vorstand als vertretungsberechtigtes Organ entscheiden,
  • wenn er der Ansicht ist, dass eine Information zu den laufenden Verhandlungen oder deren Zielen im Bericht schädlich wäre und
  • das Weglassen dieser Vorgänge dem Verständnis der tatsächlichen Geschäftsverläufe, der Unternehmenstätigkeit oder deren Auswirkungen nicht schadet.

 Wenn sich der Vorstand oder der Geschäftsführer zu einem solchen Schritt entschließt, muss er die Angaben jedoch in der nächstfolgenden nichtfinanziellen Erklärung nachreichen.

letzte Änderung W.V.R. am 07.12.2017
Erstellt: 08.06.2017 14:59:42
Geändert: 07.12.2017 15:43:05
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  Bundesregierung, DQS CFS GmbH – Deutsche Gesellschaft für Nachhaltigkeit
Bild:  panthermedia.net / altomedia

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