Hohe Zugehörigkeit hält Arbeitnehmer nicht von der Jobsuche ab

Jahrelang bei ein und demselben Unternehmen arbeiten? Was in öffentlichen Diskussionen fast wie ein Relikt längst vergangener Tage wirkt, entspricht für die Mehrheit der deutschen Berufstätigen der Realität – das zeigt eine neue Studie von LinkedIn*. In der Umfrage geben drei von fünf der befragten Arbeitnehmer (60 Prozent) an, bereits seit mindestens fünf Jahren für ihren Arbeitgeber tätig zu sein.

Selbst unter den Millennials gilt dies für mehr als jeden Zweiten (55 Prozent) und in der Gen Z immerhin für ein Fünftel (19 Prozent) – also den Generationen, denen häufig Illoyalität gegenüber ihrem Arbeitgeber vorgeworfen wird. Und nicht nur das: Mehr als zwei Drittel aller Befragten (67 Prozent) spüren zudem ein hohes Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Arbeitgeber, jeder Fünfte (21 Prozent) hat sogar das Gefühl, dass er und sein Arbeitgeber kulturell „perfekt“ zusammenpassen.

Trotz hoher Zugehörigkeit liebäugeln zwei Fünftel der Befragten (40 Prozent) in den nächsten zwölf Monaten mit einem Jobwechsel oder sind bereits aktiv auf der Suche nach einer neuen Stelle. Unternehmen dürfen sich also nicht auf diesen Ergebnissen ausruhen, sondern müssen aktiv werden, um auch loyale und langjährige Mitarbeiter halten zu können.

Hohe Zugehörigkeit, aber dennoch Wechselwunsch

Zunächst einmal lässt sich aber festhalten, dass deutsche Arbeitgeber in den letzten Jahren wohl einiges richtig gemacht haben: Das Zugehörigkeitsgefühl der Arbeitnehmer hat sich seit 2018 nämlich praktisch nicht verändert** – trotz oder vielleicht gerade wegen der Multikrisen der letzten Jahre. „Die COVID-19-Pandemie hat zu einer neuen Flexibilität in der Arbeitswelt geführt, die viele Erwerbstätige heute nicht mehr missen möchten. Auch sehnen sich Menschen in Krisenzeiten nach Stabilität und Unterstützung durch ihren Arbeitgeber. Gerade in solchen Momenten stellt sich häufig heraus, ob der langjährige Arbeitgeber immer noch der Richtige ist“, erklärt Barbara Wittmann, Country Managerin und Senior Director Talent Solutions bei LinkedIn DACH. 

Die Studie zeigt: Insbesondere die Millennials (50 Prozent) und die Gen Z (57 Prozent) sind offen für eine neue berufliche Station. Sind sie also eigentlich doch dem gängigen Vorurteil entsprechend Jobhopper, die mit jedem Wechsel die Karriereleiter eine Stufe weiter erklimmen wollen? Oder gibt es andere Gründe, die sie jetzt zur Jobsuche bewegen? Naheliegend ist hier der mit einem Jobwechsel verbundene Gehaltssprung sowie die weiterhin hohe Inflation: Je niedriger das Gehalt – und bei jüngeren Arbeitnehmern ist es oft deutlich niedriger als bei älteren – desto schmerzhafter ist der inflationsbedingte Reallohnverlust. Das heißt, der Jobwechsel wird womöglich trotz einem hohen Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber angestrebt, um den bisherigen Lebensstandard zu halten.
 

Arbeitnehmer wollen fair bezahlt und behandelt werden

Angesichts dessen ist es naheliegend, dass eine faire Bezahlung für die Befragten der wichtigste Faktor (64 Prozent) ist, um die Zugehörigkeit zum Unternehmen weiter zu stärken. Aber auch die Anerkennung von Leistung (63 Prozent) spielt dafür eine entscheidende Rolle. 

Die Studie offenbart aber noch einen anderen Punkt, der insbesondere jüngere Arbeitnehmer zur Jobsuche motivieren könnte: Sowohl die Millennials (42 Prozent) als auch die Gen Z (44 Prozent) haben das Gefühl, dass sich das Arbeitsklima im letzten Jahr aufgrund des Personalmangels maßgeblich verschlechtert hat. Unter den Babyboomern teilt währenddessen nur ein Viertel (25 Prozent) diese Ansicht. Zudem verspürt die Hälfte der Befragten aus den Generationen Y (47 Prozent) und Z (46 Prozent) erheblich mehr Stress als Folge einer angespannten Personaldecke, bei den Babyboomern und der Generation X sind es dagegen jeweils nur gut ein Drittel (36 Prozent). So sind ältere Mitarbeiter wohl deutlich resilienter als ihre jüngeren Kollegen. 

„Eigentlich fühlen sich die meisten Arbeitnehmer:innen bei ihren Arbeitgebern gut aufgehoben. Und dennoch suchen viele derzeit nach einem neuen Job. Das hat sicherlich damit zu tun, dass der Fachkräftemangel die Ausgangslage von Erwerbstätigen in vielen Branchen begünstigt“, führt Barbara Wittmann weiter aus. „Führungskräfte dürfen diese Dynamik nicht unterschätzen, gerade unter den jüngeren Mitarbeitenden. Daher sollten sie herausfinden, an welchen Stellen Unzufriedenheit mit dem Arbeitsumfeld oder der Unternehmenskultur herrscht, und Lösungen finden, um dieser entgegenzuwirken und Mitarbeitende zu halten, die eigentlich gar nicht weg wollen. Oft kann die Möglichkeit zur Mitarbeit an einem besonderen Projekt oder auch ein interner Stellenwechsel eine leicht umsetzbare Lösung sein, um Mitarbeiter:innen zu motivieren und zu binden.“
 

Was können Arbeitgeber konkret tun – und was Arbeitnehmer? 

3 Tipps für Arbeitgeber:
  • Faire Gehälter zahlen: Das schreibt sich zwar jedes Unternehmen auf die Fahne, aber was heißt das genau in der Praxis? Ein guter Anfang ist eine Marktanalyse – was zahlen vergleichbare Marktteilnehmer ihren Angestellten? Wenn Unternehmen sich in einem ähnlichen Rahmen bewegen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Mitarbeitenden zu diesen abwandern. Und natürlich sollte gleiche Arbeit gleich bezahlt werden.
  • Anerkennung von Leistung: Mit einem gelegentlichen öffentlichen Lob ist es nicht getan. Wer gute Arbeit leistet, möchte verständlicherweise, dass diese anerkannt wird. Dies kann die Form von Lohnerhöhungen oder Boni annehmen. Auch neue, spannende Aufgaben sind eine Möglichkeit, Wertschätzung auszudrücken und die Mitarbeiter bei ihrer beruflichen Weiterentwicklung zu unterstützen.
  • Optimierung der Arbeit: Durch den Fachkräftemangel ist das Recruiting neuer Mitarbeitenden schwieriger denn je, Unternehmen sollten deshalb ihre internen Prozesse und Systeme auf den Prüfstand stellen, um Arbeitsabläufe effizienter zu machen und ihre Angestellten zu entlasten. Ist beispielsweise wirklich jedes Meeting notwendig oder würde eine E-Mail reichen? Lassen sich komplizierte Tools durch einfachere ersetzen? Wo gibt es Kompetenzlücken und wie können diese durch gezielte Fort- und Weiterbildung geschlossen werden? 

3 Tipps für Arbeitnehmer: 
  • Kritik äußern: Änderungen können nur umgesetzt werden, wenn die Verantwortlichen von Problemen erfahren. Oft unterscheidet sich die Perspektive von Angestellten und Managern deutlich, daher sollten Mitarbeitende mitteilen, was sie stört und Lösungsvorschläge machen. Dabei sollte die Kritik sachlich geäußert werden und die Lösungen sollten realistisch sein.
  • Gehaltsverhandlungen anstoßen: Wer nicht fragt, gewinnt auch nicht. Arbeitnehmer sollten nicht darauf warten, dass ihr Arbeitgeber ihnen von sich aus mehr Geld anbietet, sondern selbst auf ihre Vorgesetzten zugehen. Wichtig dabei: sich gut vorbereiten, die eigenen Erfolge und Leistungen benennen können und eine marktgerechte Zahl im Kopf haben.
  • Neue Herausforderungen: Oft reichen schon kleine Veränderungen, damit ein Job wieder mehr Spaß macht, etwa indem man sich freiwillig für neue Aufgaben meldet oder einen Wechsel innerhalb des Unternehmens anstrebt. Gerade letzteres kann sich für Arbeitnehmer lohnen, die sich ihrem Arbeitgeber zugehörig fühlen, aber eine neue Herausforderung suchen. Es ist sinnvoll, aktiv Zeit in Weiterbildung zu investieren, um neue Fähigkeiten zu erlernen und bestehende Kompetenzen zu vertiefen. Hier sind digitale Lernangebote wie LinkedIn Learning sehr hilfreich, weil sie es ermöglichen, jederzeit, von überall und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten, dazuzulernen.

 

Methodik
 
*YouGov hat im Auftrag von LinkedIn zwischen dem 28. Juni und 02. Juli 2023 1.052 Arbeitnehmer in Deutschland zu ihrem Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Arbeitgeber sowie der aktuellen Situation in ihrem Unternehmen befragt. 

** Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.040 Personen (davon 1.010 Erwerbstätige) zwischen dem 28. und 30. Mai 2018 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Erstellt von (Name) E.R. am 21.08.2023
Geändert: 21.08.2023 10:24:42
Autor:  Barbara Wittmann
Quelle:  LinkedIn
Bild:  Bildagentur PantherMedia / eamesBot
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