
Die ältesten erhaltenen schriftlichen Zeugnisse
der Menschheit haben Handelsgeschäfte
und Lagerbestände zum Inhalt – vor mehr als 5000 Jahren. Die Verfasser waren die Vorläufer der modernen Buchhalter. In der Zwischenzeit hat sich dieser Beruf stark gewandelt und durch die Digitalisierung und Automatisierung
geschieht dies auch weiterhin. Deshalb betrachtet dieser Artikel nicht nur die
klassischen Eigenschaften, die für den
Beruf Buchhalter benötigt werden, sondern auch die
Skills, die künftig gefragt sind.
Wege, um Buchhalter zu werden
"Buchhalter" ist
kein eigenständiger Ausbildungsberuf, deshalb führt meist eine
kaufmännische Ausbildung zu diesem Beruf. Das können beispielsweise Ausbildungen zum Bankkaufmann oder Kaufmann für Büromanagement sein. Auch eine Ausbildung in der Richtung "Steuerfachwirt" oder "Steuerfachangestellter" kommt dafür in Frage. Eine wichtige
Weiterqualifizierung ist der "Geprüfte Bilanzbuchhalter", der seit 2021 den Titel "Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung" trägt.
Wer höhere Positionen in der Buchhaltung, im Finanzwesen oder im Controlling anstrebt, kann ein einschlägiges
Studium absolvieren. Typischerweise ist dies ein Studium der Betriebswirtschaftslehre (
BWL), idealerweise mit einem der Schwerpunkte Rechnungswesen, Controlling oder Finanzmanagement. Es gibt jedoch auch spezielle Studiengänge, wie "Accounting" oder "Finanz- und Rechnungswesen".
Weil Buchhalter kein Ausbildungsberuf ist, steht er oftmals
Quereinsteigern offen. Neben dem "Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung" gibt es zahlreiche weitere
Fortbildungsangebote, in denen sich beispielsweise Bürofachkräfte fit für die Buchhaltung machen können. Teilweise werden ihnen diese Fortbildungen auch empfohlen, um in ihrem eigentlichen Beruf erfolgreicher zu sein. Entscheidend für die Hinwendung zum Buchhalterberuf sollten die
Freude an der Tätigkeit und einige
persönliche Eigenschaften sein, an denen man aber auch arbeiten kann.
Klassische Skills für Buchhalter
Die folgenden
Skills werden üblicherweise mit dem
Beruf des Buchhalters in Verbindung gebracht:
- Kenntnisse über Buchhaltungsmethoden und -standards: Sie zählen zu den Grundlagen des Berufs, damit die üblichen Tätigkeiten, von der Rechnungsprüfung über die Buchung bis zur Berichterstattung, fehlerfrei ausgeübt werden können.
- Kenntnisse wichtiger gesetzlicher Vorschriften: Dazu gehören in der Regel Kenntnisse wesentlicher Inhalte des Handelsgesetzbuchs (HGB) und steuerrelevanter Gesetze.
- Zahlenaffinität und Analysefähigkeit: Man muss kein Mathegenie sein, um Buchhalter zu werden, denn für einfache Buchhaltungstätigkeiten genügt im Wesentlichen die Arithmetik (Grundrechenarten, Prozentrechnung). Aber man sollte gerne mit Zahlen und Daten arbeiten, sie interpretieren und analysieren können, um entsprechende Berichte verfassen zu können. Eine gesunde Portion kritisches Denken gehört auch dazu, denn wer Zahlen hinterfragt und überprüft, vermeidet oft Fehler.
- Genauigkeit, Sorgfalt und Gründlichkeit: Unternehmen verlangen eine exakte Buchführung, da ist der Sinn für Details und für Genauigkeit gefragt. Alle Geschäftsvorfälle müssen mit Sorgfalt aufgezeichnet werden. Gründlichkeit ist wichtig, damit keine Daten und Informationen übersehen werden.
- Integrität und Diskretion: Integer ist, wer ein ethisch einwandfreies Verhalten an den Tag legt und sich an alle relevanten Vorschriften hält. Weil viele Daten, mit denen Buchhalter zu tun haben, vertraulich behandelt werden sollen, ist die Diskretion eine wichtige Eigenschaft. Dies gilt allerdings nicht gegenüber Vorgesetzten oder der Geschäftsführung, hier ist vielmehr Transparenz über das Zustandekommen der Zahlen geboten.
- Geschäftssinn und strategisches Denken: Diese Skills verbindet man eigentlich eher mit der Geschäftsführung, doch es ist hilfreich, wenn der Buchhalter ebenfalls darüber verfügt. Dadurch kann er in Berichten die Informationen herausstellen, die für die Unternehmensleitung besonders relevant sind. Außerdem entwickelt er so eine Kompetenz für die Lösung von Problemen.
- Organisationsfähigkeit und Zeitmanagement: Buchhalter haben es mit zahlreichen Prozessen und Kunden zu tun, deshalb müssen sie sich selbst gut organisieren können. Das umfasst auch ein gutes Zeitmanagement, denn Kunden und Geschäftsführung können mitunter sehr ungeduldig sein. Wenn vieles auf einmal kommt, ist auch ein angemessener Umgang mit Stress gefragt.
- Teamfähigkeit und Vielseitigkeit: Buchhalter müssen stets mit Kollegen, Abteilungsleitung, Geschäftsführung, Kunden und anderen zusammenarbeiten; dementsprechend wird üblicherweise von Buchhaltern Teamfähigkeit verlangt. Dabei müssen sie bei kurzfristigen Anfragen oder plötzlich auftauchenden Problemen flexibel reagieren können. Während Buchhalter in Konzernen meist spezialisiert sind, benötigen sie in kleinen und mittelständischen Unternehmen oft Vielseitigkeit, weil sie vom Rechnungswesen über die Lohnbuchhaltung bis hin zu Berichten und Abschlüssen verschiedenartige Aufgaben wahrnehmen müssen.
- Kenntnisse im Umgang mit einschlägiger Software: Hier werden oft SAP und andere ERP-Software, Excel und andere MS-Office-Programme genannt. Dieser Punkt steht nicht am Ende der Liste, weil er nicht so wichtig wäre, sondern weil er in Zukunft noch wichtiger werden wird; er leitet damit zum nächsten Abschnitt über.
Skills, die zukünftig wichtiger werden
Der digitale Wandel ist in der Buchhaltung in vollem Gange. Software kann heute schon viele sich wiederholende Aufgaben, wie die Rechnungsprüfung und das Buchen, automatisiert übernehmen. Dadurch werden beim Buchhalter Kapazitäten frei, die wiederum neue Hard Skills und Soft Skills verlangen. Dazu gehören:
- Bereitschaft, sich immer wieder in neue Softwareprogramme einzuarbeiten: Die Automatisierung zahlreicher Buchhaltungstätigkeiten wird nicht das Ende der Fahnenstange sein. Es ist damit zu rechnen, dass Software weiterentwickelt wird und neue Anbieter auf den Markt kommen.
- Lebenslanges Lernen: Nicht nur im Softwarebereich, sondern auch auf anderen Gebieten, wie Rechnungslegungsstandards, gesetzliche Vorschriften, ist mit vielfältigen Veränderungen zu rechnen. Deshalb sollten sich angehende Buchhalter darauf einstellen, ihr ganzes Berufsleben lang zu lernen und anpassungsfähig zu bleiben.
- Kommunikationsfähigkeiten: Wenn viele traditionelle Aufgaben des Buchhalters von Automatisierungssoftware übernommen werden, erhalten andere Skills für den Buchhalter mehr Bedeutsamkeit. Er wird künftig öfter mit Personen zu tun haben, die nicht den Finanzjargon sprechen, also muss er seine Aussagen in eine allgemein verständliche Sprache übertragen. Wichtiger wird auch das Verstehen anderer Menschen, Empathie und emotionale Intelligenz sind dabei gefragt. Als Führungskraft sollte man mit seinen Untergebenen Hintergründe erläutern und Ziele abstimmen, aber sie dann auch frei arbeiten lassen.
- Kundenserviceorientierung: Der Buchhalter wird zunehmend zum Ansprechpartner für Kunden seines Unternehmens. Dementsprechend sollte der Servicegedanke weiter in den Vordergrund treten. Dabei gilt es, Bedürfnisse der Kunden zu verstehen und zu erfüllen sowie präzise Informationen zeitnah bereitzustellen.
- Finanzplanung: Buchhalter werden in Zukunft nicht nur aktuelle Vorgänge bearbeiten und über vergangene Zeiträume berichten, sondern verstärkt in die Finanzplanung eingebunden sein. Sie werden sich mit Finanzmodellierung und -bewertung befassen und werden mehr als bisher von ihrer Fähigkeit zum strategischen Denken Gebrauch machen.
- Risikomanagement und Compliance: Zur verstärkt strategischen Ausrichtung des Buchhalterberufs zählt auch das Risikomanagement, mit dem potenzielle Risiken minimiert werden sollen. Zunehmend komplexere gesetzliche Regelungen auf nationaler und europäischer Ebene verlangen auch nach größeren Anstrengungen bei der Compliance.
- Kenntnisse in internationalen Rechnungslegungsstandards: In Konzernen und größeren Unternehmen sind Rechnungslegungsstandards wie IFRS und US-GAAP oft schon die Regel, sie gewinnen aber auch in kleineren Unternehmen an Bedeutung.
- Verhandlungssicheres Englisch: Überhaupt wird die Buchhaltung internationaler. Deshalb erwarten immer mehr Unternehmen zumindest von den Führungskräften in der Buchhaltung sehr gute Englischkenntnisse.
Möglichkeiten, seine Skills zu verbessern
Wer den Beruf des Buchhalters erst anstrebt, kann durch
Praktika, zeitlich befristete Projekte oder eine
Werkstudententätigkeit erste praktische Erfahrungen sammeln. Wer bereits den Einstieg geschafft hat, kann freiwillig
zusätzliche Aufgaben übernehmen, etwa an Monatsabschlüssen und Berichten an die Geschäftsführung mitarbeiten. Allgemein kann man sich zum Ziel setzen, möglichst
vielfältige Arbeitserfahrungen zu sammeln.
Sinnvoll sind stets auch
berufliche Weiterbildungen, weil sie das Wissen über den Buchhalterberuf vertiefen. Dabei kann, muss jedoch nicht der Abschluss als „Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung“ angestrebt werden. Manches, etwa der Umgang mit Buchhaltungssoftware, kann auch im
Selbststudium oder mit Unterstützung durch Kollegen oder Freunde eingeübt werden. Oder man sucht sich einen
Mentor, der einen beim beruflichen Fortkommen unterstützt. Auch das
Lesen von Fachartikeln, etwa auf entsprechenden Fachportalen im Internet, kann Kenntnisse vertiefen.
Speziell die
Soft Skills kann man verbessern, indem man Kollegen oder Vorgesetzte um ein
aufrichtiges Feedback bittet und sich damit auseinandersetzt (
Selbstreflexion). Zudem kann man bewusst Situationen suchen, um Kommunikationsfähigkeiten und andere Skills auszuprobieren und zu verbessern. Entscheidend ist dafür der
Wille, sich selbst kontinuierlich
weiterzuentwickeln.
letzte Änderung S.P. am 21.01.2026
Autor(en):
Stefan Parsch
Bild:
Bildagentur PantherMedia / WSF
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Autor:in
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Herr Stefan Parsch
Stefan Parsch ist freier Journalist und Lektor. Er schreibt Fachartikel für die Portale von reimus.NET und Artikel über wissenschaftliche Themen für die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Für den Verein Deutscher Ingenieure lektoriert er technische Richtlinien. Mehr als zwölf Jahre lang war er Pressesprecher der Technischen Hochschule Brandenburg.
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