Interview: European Management Accountant - Ein Abschluss für Europa

Was ist ein European Management Accountant? Welchen Wert hat der Titel für einen Bilanzbuchhalter? Diese Fragen beantwortet Eberhard Groetzner von der European Management Accountants Assiciation (EMAA), die den Titel verleiht. 

Bilanzbuchhalter mit Kenntnissen im europäischen Rechnungswesen können dies mit dem Titel eines European Management Accountant® (EMA®) belegen. Der Bilanzbuchhalter Eberhard Groetzner ist EMA und Mitglied im Kompetenzteam der European Management Accountants Association (EMAA). Der eingetragene Verein ist Dachverband der europäischen Bilanzbuchhalterverbände. 

Die EMAA feierte Ende 2014 sein 20-jähriges Bestehen und forderte erneut die Anerkennung des EMA in der gesamten EU. Der Abschluss ist nach Angaben der EMAA bisher vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbreitet. Im Gespräch mit Rechnungswesen-Portal.de erklärt Groetzner, was sich hinter dem EMA verbirgt, und was er Bilanzbuchhaltern auf dem Arbeitsmarkt bringt.
Die EMAA - European Management Accountants Association e.V. wirbt für den Abschluss des European Management Accountant. Was müssen wir uns darunter vorstellen?

Eberhard Groetzner: Der European Management Accountant ist eine noch relativ neue Qualifikation, die Bilanzbuchhalter und Controller dazu befähigt, sich im europäischen Umfeld problemlos zu bewegen. Sie können dadurch in allen europäischen Ländern arbeiten, die sich der EMAA angeschlossen haben.

Wie erwirbt man den Abschluss?

Groetzner: Ein angehender EMA braucht zunächst einen Abschluss als Bilanzbuchhalter oder Controller mit IHK-Zertifikat. Er muss außerdem mindestens eine Fremdsprache beherrschen. Englisch ist ja ohnehin heute Pflicht. Wenn noch eine weitere Sprache hinzukommt, dann ist das umso besser. Auch Betriebswirte können den EMA erwerben. Sie müssen zusätzlich nach dem Hochschul- oder Fachhochschulabschluss noch Berufserfahrung im internationalen Rechnungswesen vorweisen.

Der EMA steht demnach also nicht in Konkurrenz zu den etablierten Abschlüssen, sondern ist eine Ergänzung?


Groetzner: Der EMA ist ganz klar eine Ergänzung für Bilanzbuchhalter und Controller, die sich europäisch orientieren wollen. Außerdem zeigen Fachkräfte mit EMA, dass sie mehr erreichen wollen und an kontinuierlicher Weiterbildung interessiert sind. Denn mit dem Abschluss ist es ja nicht getan. Der EMA unterwirft sich einer kontinuierlichen Weiterbildungsverpflichtung. Der Titel wird erteilt, und alle zwei Jahre muss der EMA nachweisen, dass er Weiterbildungen im Rechnungswesen oder im internationalen Rechnungswesen absolviert hat. Im Umfang von 60 Einheiten á 45 Minuten. Alle zwei Jahre kommt dann sozusagen der TÜV, prüft die Nachweise und verleiht den Titel für weitere zwei Jahre.

Nehmen wir einen Betriebswirt als Beispiel. Er kommt frisch von der Uni oder von der Fachhochschule. Wie wird er European Management Accountant?

Groetzner: Er muss seinen Abschluss vorlegen, einen Nachweise über eine mehrjährige Tätigkeit im internationalen Rechnungswesen und über seine Fremdsprachenkenntnisse. Diese Unterlagen reicht er bei der EMAA ein. Die prüft und erteilt den Titel, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind. Zunächst für zwei Jahre. In diesem Punkt unterscheidet sich der EMA von anderen Titeln. In der Regel muss man ja eine Ausbildung und Prüfungen absolvieren, um einen Titel zu erhalten. Den EMA erwerben Sie mit den Qualifikationen, die Sie bereits haben, und begeben sich dann in eine lebenslange Weiterbildung. Andere Titel erwirbt man einmal und kann ihn dann ein Leben lang führen. Für den EMA müssen Sie sich ständig weiterbilden, um ihn immer wieder aufs Neue zu erhalten.

Welche Vorteile bietet der EMA für einen Bilanzbuchhalter?

Groetzner: Langfristig sollen sich EMAs mit dem Titel in ganz Europa bewerben können. In Einzelfällen funktioniert das schon heute. Aber der EMA ist immer noch nicht so anerkannt, wie wir uns wünschen. Da ist noch viel zu tun. Interessant ist der EMA aber auch als Zusatzqualifikation. Ständige Weiterbildung sollten Bilanzbuchhalter und Controller ohnehin verfolgen. Der EMA motiviert zusätzlich, diese Weiterbildungen konsequent zu absolvieren. Außerdem zeigt der EMA dem Arbeitgeber, dass ein Mitarbeiter an ständiger Weiterbildung interessiert ist. Denn dazu verpflichtet er sich ja mit dem EMA.

Bietet die EMAA selbst entsprechende Weiterbildungen an?

Groetzner: Die EMAA spricht Empfehlungen aus, sie ist, abgesehen von ein paar wenigen Tagesseminaren, selbst kein Bildungsträger. Die Weiterbildungen werden in der Regel von den nationalen Verbänden angeboten. In Deutschland vom Bundesverband der Bilanzbuchhalter und Controller (BVBC e.V.).

Die EMAA feierte kürzlich ihr 20-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass hat der Verband seine Forderung erneuert, den EMA als europäischen Buchhalterabschluss anzuerkennen. Warum braucht Europa den EMA?


Groetzner: In Europa haben wir eine Vielzahl von Abschlüssen und Berufsbezeichnungen. Der Bilanzbuchhalter ist in Deutschland, Österreich und teilweise auch in der Schweiz bekannt. In England oder Frankreich kennt niemand diesen Abschluss. Um Abhilfe zu schaffen, ist die EMAA gegründet worden. Ziel war es, einen Abschluss zu schaffen, der in ganz Europa anerkannt ist, mit dem sich die Bilanzbuchhalter und Controller dann europaweit ausweisen können. Dieses Anliegen ist nach wie vor gültig.

Wie setzt sich die EMAA auf europäischer Ebene für ihr Ziel ein?

Groetzner: Die EMAA ist der Dachverband der nationalen Bilanzbuchhalterverbände. Das ist der BVBC in Deutschland, der Bundesverband der österreichischen Bilanzbuchhalter (BOEB) in Österreich, das Institute of Certified Bookkeepers (ICB) in Großbritannien sowie der ungarische Bilanzbuchhalterverband MKOE. Mit diesen und weiteren europäischen Organisationen stehen wir im ständigen Kontakt. Derzeit arbeiten wir an einer Datenplattform der Abschlüsse im Rechnungswesen in Europa. Daraus soll hervorgehen, wie die Abschlüsse heißen, welche Qualifikationen sie voraussetzen und wie weit der EMA in den europäischen Ländern anerkannt ist.




Eberhard Groetzner ist Mitglied im Kompetenzteam der EMAA. Der Diplombetriebswirt (FH) ist seit 2001 als Teamleiter im Internationalen Rechnungswesen von IBM Deutschland tätig. 2006 qualifizierte er sich als Bilanzbuchhalter International (IHK). Seit 2011 ist Groetzner European Management Accountant®.


letzte Änderung W.V.R. am 07.12.2017
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  Eberhard Groetzner (EMAA)
Bild:  Privat

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Der Autor:
Herr Wolff von Rechenberg
Wolff von Rechenberg betreut als Redakteur die Fachportale der reimus.NET sowie das Controlling-Journal. Der gelernte Zeitungsredakteur arbeitete als Wirtschafts- und Verbraucherjournalist für verschiedene Onlinemedien und versorgt seit 2012 die Fachportale der reimus.NET mit News und Fachartikeln.
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10.02.2015 23:10:04 - Gast

Super Beitrag über den EMA und die EMAA. Vielen Dank! smile:klatschen:
Bitte diesen Beitrag, bzw. Link gerne weitergeben.

Herzliche Grüße
Uwe Jüttner smile:wink1:
EMAA-Präsident
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