Künstlersozialabgabe (KSK) 2017: Das müssen Unternehmer über die Künstlersozialkasse wissen

Die Meldefrist für die Künstlersozialabgabe für 2012 läuft am 31. März 2013 ab.

Unternehmer müssen bis zum März ihre Abgaben an die Künstlersozialkasse (KSK) melden. Auf alle im Vorjahr eingekauften Leistungen von Künstlern, Publizisten oder Journalisten ist die Künstlersozialabgabe (KSA) zu zahlen. Schummeln kann teuer werden, denn die KSK darf auch rückwirkend Beiträge einfordern.

Künstlersozialkasse: KSK kassiert Künstlersozialabgabe auch rückwirkend

Die Künstlersozialkasse (KSK) bietet Freiberuflern im künstlerischen und publizistischen Bereich eine günstige Kranken- und Rentenversicherung. Der Gesetzgeber hat die Existenz der KSK im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) geregelt. Der Versicherte trägt die eine Hälfte der Kosten der Versicherte. Die andere Hälfte zahlen die Auftraggeber des Versicherten und der Staat. Diese Quasi-Arbeitgeberanteile müssen Unternehmen bis zum 31. März der KSK melden. Der Satz liegt für 2016 bei 5,2 Prozent. 2017 sinkt er auf 4,8 Prozent.


Abgabesätze für

  • 2008: 4,9 %
  • 2009: 4,4 %
  • 2010 bis 2012: 3,9 %
  • 2013: 4,1 %
  • 2014: 5,2 %
  • 2017: 4,8 %


Wichtig:
 Die KSK kontrolliert rückwirkend für die vergangenen fünf Jahre. Hat ein Unternehmer nicht alle Beträge ordnungsgemäß gemeldet, muss er nachzahlen. Außerdem droht ein Bußgeld. 

Künstlersozialabgabe auch wenn der Dienstleister nicht in der KSK versichert ist

Die KSK funktioniert ähnlich wie eine gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung für Arbeitnehmer. Mit einem wichtigen Unterschied: Die Künstlersozialabgabe fällt nicht nur für die Leistungen von Freiberuflern an, die tatsächlich in der KSK versichert sind. Sie muss grundsätzlich für künstlerische und publizistische Dienstleistungen gezahlt werden. 

Beispiel: Ein Unternehmen gibt bei einem Webdesigner eine neue Firmenwebseite in Auftrag. Der Designer führt derartige Aufträge gegen Honorar nebenberuflich aus. Hauptberuflich ist er angestellt und deshalb gesetzlich sozialversichert. Dennoch muss das Unternehmen eine Künstlersozialabgabe zahlen.

Achtung: Die Flucht ins Ausland hat keinen Zweck. Selbst wenn ein Unternehmen künstlerische oder publizistische Aufträge an Dienstleister im Ausland vergibt, fällt darauf die Künstlersozialabgabe in Deutschland an.

Für welche Leistungen und Dienstleister muss man zahlen?

Nach dem Gesetz (§ 24 KSVG) müssen Unternehmen die Künstlersozialabgabe leisten, "die für Zwecke ihres eigenen Unternehmens Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit betreiben und dabei nicht nur gelegentlich Aufträge an selbständige Künstler oder Publizisten erteilen." Dem Unternehmer stellen sich nach diesem Satz zwei Fragen: 

  1. Wer ist überhaupt Künstler oder Publizist?
  2. Wann gilt ein Auftrag als gelegentlich?

Keine Abgabe bei Geringfügigkeit

Seit 2015 gibt es eine Bagatellgrenze für die Künstlersozialabgabe: Liegt das Auftragsvolumen bei 450 Euro im Jahr oder darunter, dann braucht das Unternehmen keine Künstlersozialabgabe zu leisten.

Welcher Dienstleister ist Künstler?

Das Gesetz stellt eindeutig auf künstlerische und publizistische Tätigkeiten ab. Dazu zählen natürlich Arbeiten von Textern, Autoren, Journalisten Fotografen und Grafikern, auch Webdesigner sind mittlerweile als Künstler anerkannt. Das leuchtet ein. Doch die Grenzen des Künstlerischen müssen immer wieder Gerichte ziehen.

2009 entschied das Bundessozialgericht (Az.: B 3 KS 4/08 R), dass auch die Juroren bei "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) einen unterhaltsamen und damit künstlerischen Beitrag zum Gesamtkonzept der Castingshow leisten. RTL musste die Künstlersozialabgabe auf die Honorare von Dieter Bohlen und seinen Mitjuroren entrichten. In einem anderen Fall stellte das Sozialgericht Lübeck (Az: S 14 KR 106/07) 2008 fest, dass ein Discjockey kein Künstler ist.

Faustregel: Vergibt ein Unternehmen an einen Freiberufler Aufträge die der Information, der Selbstdarstellung (Werbemittel, Webseite, Pressemitteilungen, Mitarbeiterzeitung) oder der Unterhaltung (Künstlerauftritte bei Betriebsfesten etc.) dienen, dann liegt die Künstlersozialabgabe in der Luft.

Wie regelmäßig ist "nicht nur gelegentlich" im Sinne der KSK?

Unternehmen wie Verlage, Fernsehsender, Theater, Kunstgalerien oder Werbeagenturen können diesen Abschnitt überspringen. Bei ihnen geht der Gesetzgeber davon aus, dass sie regelmäßig Aufträge an freie Künstler und Publizisten vergeben. Sie müssen auf jedes Honorar an einen Autoren, Texter, Journalisten oder Künstler die Künstlersozialabgabe zahlen. Leicht haben es auch Gastwirte. Erst wenn sie öfter als dreimal im Jahr eine Musikkapelle oder einen Bühnenkomiker engagieren, erkennt die KSK eine Regelmäßigkeit.

Diese Drei-Aufträge-Regel gilt nicht für Gewerbebetriebe, die Werbung oder Informationsmaterial in Auftrag geben. So leitet die KSK schon eine Abgabepflicht ab, wenn ein Unternehmen einmal im Jahr einen Auftrag an Künstler oder Publizisten vergibt oder selbst, wenn dies alle drei Jahre geschieht. Kehren wir zu unserem Beispielunternehmen zurück. "Die KSK setzt die Meßlatte für sogenannte Eigenweber sehr niedrig an", sagt Rechtsanwalt Andri Jürgensen. Seine Kanzlei ist unter anderem spezialisiert auf die Künstlersozialkasse und die Künstlersozialabgabe. In einigen Fällen bleibt nur der Klageweg gegen einen Erfassungsbescheid. Zum ganz überwiegenden Teil verlaufe die Erfassung aber korrekt, berichtet Anwalt Jürgensen aus seiner Erfahrung.

Unbestimmt sieht es auch mit dem Umfang einer kreativen Arbeit aus.

Beispiel: Das Unternehmen hat seine Firmenwebseite bekommen und den Webdesigner ausgezahlt. Eine einmalige Sache und daher abgabefrei, oder?

Die KSK würde das bestreiten: Eine Webseite besteht aus mehreren künstlerischen Einzelleistungen (Texte, Fotos, Layout). Solche Bestandteile gelten laut KSK auch dann als Einzelleistungen, wenn sich Auftraggeber und Auftragnehmer darauf geeinigt haben, den Internetauftritt als Komplettleistung abzurechnen. Der Internetauftritt ist daher bedeutsam genug, um eine Abgabepflicht auszulösen.

Dem widerspricht Anwalt Jürgensen: Ein Internetauftritt für ein kleines oder mittelständisches Unternehmen sei eine einfache Sache, die man nicht in Einzelleistungen zerlegen müsse. Kleinunternehmer und Mittelständler können in diesem Fall nach Rücksprache mit einem Fachanwalt eine Forderung der KSK anfechten. Eine Erfolgsgarantie gibt es freilich nicht, warnt Jürgensen: "Es fehlt an einer eindeutigen Abgrenzung nach unten." 

Doppelte Abgabepflicht für Subunternehmer

Die KSK kann für eine Dienstleistung doppelt die Künstlersozialabgabe kassieren. Dazu wieder ein Fallbeispiel:

Beispiel: Ein Unternehmen gibt eine Imagebroschüre in Auftrag. Der beauftragte Redakteur zieht jedoch noch einen Grafiker und einen Fotografen hinzu. Die KSK kassiert beim Redakteur die KSA für die Arbeit des Grafikers und des Fotografen. Beim Endabnehmer, der den Auftrag ausgelöst hat, kassiert die KSK die Abgabe für den Redakteur – und ebenfalls Künstlersozialabgabe für die Arbeit des Grafikers und des Fotografen.

Für die Arbeit von Subunternehmern kassiert die KSK also doppelt. Dieses Verfahren steht zwar in der Kritik, ist aber von der Rechtsprechung bestätigt. Eine Klage hiergegen hätte nach KSK-Fachmann Jürgensen keine Aussicht auf Erfolg.

Künstlersozialkasse und Künstlersozialabgabe: Zahlen oder Klagen

Bis zum 31. März 2013 haben Unternehmen Zeit, ihre Bücher nach Vorgängen zu durchforsten, auf die möglicherweise eine Künstlersozialabgabe anfällt. Ob ein Unternehmer sich dafür entscheidet, den einen oder anderen Zweifelsfall für sich in Anspruch zu nehmen, muss er nach Zahl und Umfang der Beträge entscheiden. Dann sollte er sich darauf vorbereiten, seinen Standpunkt auch vor Gericht zu vertreten. In jedem Fall sollten Unternehmer drei Dinge bedenken:

  1. Ein Verschweigen von Sachverhalten kann neben Nachforderungen für bis zu fünf Jahre zurück auch empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.
  2. Der Versuch, einen Sachverhalt zu verschweigen, ist riskant – nicht nur wegen der Möglichkeiten moderner Datenverarbeitung, sondern auch wegen schärferer Kontrollen durch die KSK.
  3. Die Abgabepflicht betrifft immer das ganze Unternehmen. Löst ein Auftrag eine Abgabepflicht aus, dann muss die Abgabe auch für andere Aufträge gezahlt werden, die für sich nicht zu einer Abgabepflicht geführt hätten.

Wichtig: Wer einen Dienstleister mit der Rechtsform einer KG, einer GmbH oder AG beauftragt muss grundsätzlich keine Künstlersozialabgabe zahlen. Das Bundessozialgericht hat diese Regel auch auf Unternehmen mit der Rechtsform einer OHG ausgedehnt (Az. B 3 KS 6/12 B). Der Vorgang liegt dem BSG aber noch zur Entscheidung vor.

Unternehmen sollten jedoch bedenken, dass Unternehmen mit einer der genannten Rechtsformen in der Regel teurer sind als ein Einzelunternehmer oder eine GbR. Der Schritt lohnt sich also nur bei sehr umfangreichen Aufträgen.

Weitere Informationen finden Unternehmen zum Download bei der Künstlersozialkasse. Rat und Hilfe bieten auch die Industrie- und Handelskammern (IHK) sowie die Handwerkskammern.



letzte Änderung W.V.R. am 21.08.2018
Autor(en):  Wolff von Rechenberg
Quelle:  Künstlersozialkasse, KSK-Blog.de, Akademie.de
Bild:  adPic

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25.07.2013 17:01:12 - Gast

"Unternehmen sollten jedoch bedenken ... Der Schritt lohnt sich also nur bei sehr umfangreichen Arbeiten." Hier ist mir nicht ganz klar, welcher Schritt damit gemeint sein soll. Natürlich ist es ein Unterschied, ob ein i.d.R. eher junges Team zu 120 Euro pro Kopf und Stunde in der GmbH an einem Auftrag arbeitet oder ob ein erfahrener Freiberufler und Web-Experte für vielleicht 80 Euro (netto) die Stunde in die Tasten haut (mit oder ohne Arbeitsteilung auf Kundenseite). "Webdesign" ist in der Tat ein großes "KSK-Problem", weil es hier massive Unterschiede in der Herangehensweise zur Bereitstellung einer Website gibt, daneben reichlich Verständnislücken mangels eigener Erfahrung. Für technisch orientierte Profis hat "Webdesign" (oder besser gesagt "Webentwicklung") nur noch sehr wenig mit Kunst zu tun, in mancher Agentur hingegen lässt man tatsächlich ausschließlich Grafiker (oder Praktikanten oder Studenten...) daran arbeiten. Zugegeben - oft ärgerlich aber tendenziell gut für die Profis, die die "Designerarbeiten" immer öfter korrigieren und "re-kommerzialisieren" müssen. In Zeiten, wo es primär auf Bestandteile wie "sichere Programmierung", "Hackerschutz", "Performance-Optimierung", "Vernetzung", "Nutzung dynamischer Komponenten wie Widgets, Slider oder sonstige Skripte", auf "Mobile-Optimierung", Suchmaschinenoptimierung, Reaktion auf aktuelle Trends usw. ankommt, ist das Design im Web tatsächlich zur Nebensache geworden. Selbst Agenturen bevorzugen heute die Arbeit mit Open-Source-Systemen (wenngleich sie diese manchmal ziemlich unsachgemäß einsetzen). Das "Design" wird mehr und mehr von Inhalten bestimmt, die der Kunde - wenn richtig gearbeitet wurde - später spielend einfach selbst in seine Homepage einbauen und jederzeit wieder ändern kann, sowohl im Content- als auch im Hintergrundbereich. Durch zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten wird der Auftraggeber somit immer öfter selber zum Designer und benötigt dafür nur das nötige Handwerkszeug, das der Webentwickler ihm nach Bedarf zur Verfügung stellt. Ich möchte daher auch in einem weiteren Punkt noch widersprechen: Wenn man "Webdesign" nicht gerade auf die leichte Schulter nimmt, ist es keineswegs so einfach, mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten. Ich habe hier schon manchen Designer aufgeben sehen, der sich den technischen Anforderungen nicht gewachsen sah. Wer sich mit PHP, HTML5, CDN, Performance-Optimierung (Code-Bereinigung, Caching usw.), Responsive Design, Online Marketing und Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, wird Künstlersozialabgaben (KSA) der Künstlersozialversicherung (KSV) gewiss als etwas sehr Anstößiges empfinden. Eine datenbankgestützte Systemprogrammierung mit auf Wirtschafts- und Verhaltensforschung basierenden und kommerziellen Optimierungen mit simplem "Webdesign" des vergangenen Jahrhunderts zu bezeichnen, ist eigentlich ebenso frech, wie die im Zweifel daraus resultierenden "Künster-Sozialabgaben" - eben (leider nicht nur) ein schlechter Scherz, der besser früher als später korrigiert werden sollte.
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